In Österreich wurden in den ersten neun Monaten 2026 insgesamt 5.115 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das waren um 0,8% weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig stieg die Zahl der mangels Vermögen abgewiesenen Verfahren um 9,2%. Im Kredit- und Versicherungswesen gingen die Insolvenzen hingegen um 15,7% zurück.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 08.10.2026
Von Jänner bis September wurden 2.922 Insolvenzverfahren eröffnet, ein Rückgang um 7,2%. Davon entfielen 2.642 auf Konkursverfahren. Die Zahl der Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung sank auf 19, während jene ohne Eigenverwaltung um 10,1% auf 261 zunahm. Deutlich gestiegen sind die mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzverfahren: Mit 2.193 Fällen lagen sie um 9,2% über dem Vorjahreswert. Insgesamt entspricht die Entwicklung laut Creditreform 27 Insolvenzverfahren pro Werktag.
Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Österreichischen Verbandes Creditreform:
"Der leichte Rückgang der Unternehmensinsolvenzen ist zunächst positiv. Er darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen weiterhin angespannt ist. Die Unternehmen kämpfen mit hohen Kosten, einer nach wie vor verhaltenen Nachfrage und einem schwierigen internationalen Umfeld. Gerade für margenschwache Betriebe bleibt die finanzielle Widerstandsfähigkeit eine zentrale Herausforderung."
Kredit- und Versicherungswesen mit 15,7% weniger Insolvenzen
Zwischen den Branchen zeigen sich deutliche Unterschiede. Im Kredit- und Versicherungswesen wurden in den ersten drei Quartalen 145 Insolvenzen registriert, nach 172 im Vergleichszeitraum 2025. Das entspricht einem Rückgang um 15,7%. Die Insolvenzquote lag allerdings bei 25,9 Fällen je 1.000 Unternehmen und damit über dem Gesamtdurchschnitt von 13,9.
Im Bauwesen stieg die Zahl der Insolvenzen um 2,8% auf 666 Fälle. Mit 27,6 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen lag die Insolvenzquote ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt. Im Beherbergungs- und Gaststättenwesen wurden 620 Fälle verzeichnet, 5,3% mehr als im Vorjahr. Rückgänge gab es unter anderem im Handel mit 7,3% und im Verkehrs- und Nachrichtenwesen mit 11,3%.
Vorarlberg mit stärkstem Anstieg
Regional entwickelte sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen unterschiedlich. In Vorarlberg stiegen die Fälle um 48,6%, in Kärnten um 14,0% und in der Steiermark um 13,4%. Den stärksten Rückgang verzeichnete Tirol mit 33,4%, gefolgt von Salzburg mit 14,8% und dem Burgenland mit 12,7%. In Wien und Oberösterreich gingen die Unternehmensinsolvenzen jeweils um 2,7% zurück.
Die höchste Insolvenzquote weist Wien mit 22,8 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen auf. Insgesamt wurden in der Bundeshauptstadt 1.885 Unternehmensinsolvenzen registriert.
Großinsolvenzen mit hohen Verbindlichkeiten
Unter den größten Insolvenzen nach Verbindlichkeiten befindet sich im bisherigen Jahresverlauf die Laura Privatstiftung mit rund 1,07 Mrd. Euro. Es folgen unter den genannten Fällen die LL-resources GmbH mit 144,9 Mio. Euro und die EITEK GmbH mit 144,0 Mio. Euro. Zu den größten Insolvenzen nach Beschäftigten zählen WOLLSDORF LEDER SCHMIDT & Co. Ges.m.b.H. mit 361, Pollmann Austria GmbH mit 321 und EITEK GmbH mit 319 Beschäftigten.
Privatinsolvenzen steigen um 12,2%
Anders als bei den Unternehmen stieg die Zahl der Privatinsolvenzen deutlich. In den ersten neun Monaten wurden österreichweit 7.897 Fälle registriert, 12,2% mehr als im Vorjahreszeitraum. Die eröffneten Schuldenregulierungsverfahren nahmen um 13,3% auf 7.326 zu.
Creditreform führt den starken Anstieg überwiegend auf das Auslaufen der zeitlich befristeten Entschuldungsmöglichkeit mit dreijähriger Rückzahlungsphase Mitte Juli zurück. Im Juni lagen die Privatinsolvenzen um 48% und im Juli um 69% über den jeweiligen Vorjahreswerten. Im September gingen die Insolvenzanträge hingegen um 24% zurück.
Foto oben: Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Österreichischen Verbandes Creditreform.
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