Die wirtschaftlichen Risiken in Mittel- und Osteuropa unterscheiden sich laut Coface zunehmend nach Branchen. Die Branchen-Risikokarte CEE 2026 bewertet 13 Sektoren in der Region. Für Österreich sieht Coface vor allem die Metallindustrie unter Druck, während die IKT-Branche vergleichsweise positive Signale zeigt.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 21.09.2026
Für Mittel- und Osteuropa erwartet Coface nach einem Wirtschaftswachstum von 2,1% im Jahr 2025 eine leichte Abschwächung auf 2,0% im laufenden Jahr. 2027 soll das Wachstum wieder auf 2,3% steigen. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck aus China zu: Die chinesischen Importe in die Region stiegen im vergangenen Jahr um rund 17%.
Zusätzliche Belastungen sieht Coface durch Störungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus. Höhere Kosten für Öl, Erdgas, Düngemittel, Aluminium und petrochemische Erzeugnisse wirken sich demnach auf Lieferketten und Produktionskosten aus und erhöhen den Inflationsdruck.
Österreich: Metallindustrie mit sehr hohem Risiko
Für Österreich erwartet Coface 2026 ein BIP-Wachstum von 0,5%, für 2027 von 0,8%. In der Branchenbewertung wird die Metallindustrie aufgrund des schwachen Geschäftsklimas, rückläufiger Produktion und des energiebedingten Kostendrucks mit einem sehr hohen Risiko eingestuft. Besser entwickelt sich nach Einschätzung von Coface die IKT-Branche.
Dagmar Koch, Country Managerin Coface Österreich:
"Österreichs Ausblick bleibt weiterhin verhalten: Für 2026 wird ein BIP-Wachstum von 0,5% erwartet, das sich 2027 leicht auf 0,8% verbessert. Die Metallindustrie steht aufgrund eines schwachen Geschäftsklimas, rückläufiger Produktion und eines erneuten energiebedingten Kostendrucks unter Belastung und wird daher mit einem sehr hohen Risiko bewertet. Demgegenüber hebt sich die IKT-Branche positiv ab. Sie profitiert von einem zweistelligen Wachstum bei den Auftragseingängen, einer steigenden Produktion elektrischer Ausrüstungen und verbesserten Vertrauensindikatoren."
Steigender Wettbewerbsdruck durch chinesische Importe
Coface bezeichnet die zunehmende Exportorientierung chinesischer Hersteller als „China-Schock 2.0“. Besonders betroffen seien die Automobil-, Chemie- und Metallindustrie. Die IKT-Branche zählt dagegen laut Analyse in mehreren Ländern Mittel- und Osteuropas zu den besser laufenden Sektoren. Coface führt dies unter anderem auf Investitionen in die digitale Transformation und die Nachfrage nach Technologiedienstleistungen zurück.
Auch im Einzelhandel zeigt die Risikokarte deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Während Polen von einer starken Verbrauchernachfrage und EU-finanzierten Investitionen profitiert, befindet sich Rumänien laut Coface in einer rezessiven Phase. In der Slowakei belasten höhere Steuern und schwächerer Konsum den Einzelhandel. Für die bulgarische Bauwirtschaft sieht Coface dagegen Unterstützung durch günstige Finanzierungsbedingungen und Urbanisierung.
Impulse für die Region erwartet Coface zudem durch Investitionen im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU sowie des SAFE-Programms. Davon könnten insbesondere Bauwirtschaft, Gesundheitswesen, Digitalisierung und Infrastruktur profitieren.
Die Branchen-Risikokarte CEE 2026 umfasst Bewertungen von 13 Branchen in Mittel- und Osteuropa sowie Länderanalysen zu den jeweiligen wirtschaftlichen und branchenspezifischen Risiken.
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