zurück zur Übersicht

Allianz Motor Day: Ablenkung am Steuer als unterschätztes Unfallrisiko

Allianz Motor Day: Ablenkung am Steuer als unterschätztes Unfallrisiko

21. Oktober 2026

|

3 Min. Lesezeit

|

Studien

Moderne Fahrzeugtechnik soll das Autofahren erleichtern, kann aber auch die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Eine Allianz-Umfrage unter 1.200 Österreichern zeigt, dass viele Autofahrer bereits kritische Situationen durch Touchscreens erlebt haben. Untersuchungen des Allianz Zentrums für Technik verdeutlichen zudem, wie stark Ablenkung das Unfallrisiko erhöhen kann.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 21.10.2026

Laut der Allianz-Umfrage sind 79% der Befragten überzeugt, dass die Ablenkung durch Fahrzeugtechnik zugenommen hat. 58% stufen das Risiko als hoch oder sehr hoch ein. Bereits 31% haben durch die Bedienung eines Touchscreens während der Fahrt mindestens eine kritische Situation erlebt. 66% würden bestimmte Fahrzeugfunktionen lieber über klassische Schalter bedienen. Zudem geben 40% an, zumindest selten während der Fahrt Textnachrichten mit dem Handy in der Hand zu schreiben. 85% sehen die Verantwortung zur Vermeidung von Ablenkung vorrangig bei den Fahrern selbst.

Jörg Hipp, CPO der Allianz Österreich, erklärt:

"Ablenkung ist für die Autofahrer in Österreich kein abstraktes Risiko, sondern gelebte Realität. Viele kennen brenzlige Momente am Touchscreen aus eigener Erfahrung, und wer einen Unfall verursacht hat, sieht im Nachhinein häufig Ablenkung als Ursache. Bemerkenswert ist, wie selbstkritisch die Befragten sind. Diese Einsicht ist eine gute Grundlage, denn wer das Risiko kennt, kann es auch vermeiden."

Wie stark Ablenkung das Unfallrisiko beeinflussen kann, untersuchten das Allianz Zentrum für Technik (AZT) und cogniBIT anhand eines kognitiven Fahrermodells und realer Blickdaten. Bei einer simulierten Notbremsung auf der Autobahn stieg die Unfallquote von 18,2% bei aufmerksamen Fahrern auf 54,3% bei abgelenkten Fahrern. Beim plötzlichen Betreten der Fahrbahn durch ein Kind erhöhte sie sich von 3,9% auf 11,2%. In 39% dieser Fälle reagierten die abgelenkten Fahrer überhaupt nicht.

Nach Einschätzung der Allianz ist Ablenkung inzwischen für mindestens jeden dritten Verkehrsunfall verantwortlich. In bestimmten kritischen Situationen können die Auswirkungen sogar schwerwiegender sein als bei einem simulierten Blutalkoholwert von 0,8 Promille.

Eine weitere AZT-Fahrstudie zeigt, dass die Gestaltung der Fahrzeugbedienung einen erheblichen Einfluss auf die Blickabwendungszeit hat. Bei identischen Aufgaben waren Unterschiede von bis zu 25% beziehungsweise rund drei Sekunden feststellbar.

Dr. Klaus-Peter Röhler, Vorstandsmitglied der Allianz SE, erklärt:

"Unsere Forschung zeigt, dass derselbe Bedienvorgang in einem Fahrzeug bis zu 25 Prozent weniger visuelle Aufmerksamkeit beanspruchen kann als in einem anderen. Das macht deutlich: Ablenkung ist nicht nur eine Frage des Verhaltens, sondern auch der Benutzeroberfläche. Das Cockpit selbst ist zu einem Bildschirm geworden, der mit der Straße um die Aufmerksamkeit des Fahrers konkurriert. Aber ein Auto ist kein Smartphone. Wenn es um Sicherheit geht, muss Design der Funktion folgen."

Für eine sicherere Fahrzeugbedienung fordert die Allianz klarere Vorgaben. Christian Sahr, Leiter des AZT, betont:

"Für eine sichere Fahrzeugbedienung braucht es verbindliche Empfehlungen, welche Funktionen über physische Schalter und welche per Touchscreen gesteuert werden sollten. Gleichzeitig sollten wissenschaftliche Erkenntnisse zur Mensch-Maschine-Interaktion konsequent genutzt werden, um Touchscreen-Bedienungen so auszugestalten, dass sie Fahrer möglichst wenig vom Verkehrsgeschehen ablenken."

Foto oben: Jörg Hipp, CPO der Allianz Österreich

zurück zur Übersicht

sharing is caring

Das könnte Sie auch interessieren


Ihnen gefällt dieser Beitrag?

Dann hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

(Klicken um Kommentar zu verfassen)