In Österreich spielt die kapitalgedeckte Altersvorsorge im internationalen Vergleich eine vergleichsweise geringe Rolle. Das zeigt eine aktuelle WIFO-Studie im Auftrag des Versicherungsverbandes VVO. Untersucht wurde, welche wirtschaftlichen Auswirkungen eine stärkere Kombination aus staatlicher, betrieblicher und privater Pensionsvorsorge haben könnte.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 20.10.2026
Österreich setzt bei der Altersvorsorge weiterhin stark auf das staatliche Umlagesystem. Während dieses im europäischen Vergleich hohe Einkommensersatzraten bietet, liegt das angesparte Kapital in der kapitalgedeckten Vorsorge bei lediglich 7,2% des Bruttoinlandsprodukts. Damit befindet sich Österreich im untersten Drittel. In Dänemark und der Schweiz übersteigt das angesparte Vorsorgekapital hingegen die jeweilige jährliche Wirtschaftsleistung.
Die WIFO-Studie sieht in einer breiteren Finanzierung der Pensionen Vorteile. Staatliche, betriebliche und private Vorsorge könnten unterschiedliche wirtschaftliche und demografische Risiken abfedern. Zusätzlich kann kapitalgedeckte Vorsorge langfristige Investitionen und die Kapitalbildung unterstützen.
WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr erklärt:
"Kein Finanzierungsverfahren kann für sich allein alle Ziele eines Pensionssystems erreichen, ohne auf Güter-, Arbeits- oder Kapitalmärkten unerwünschte Nebenwirkungen auszulösen. Die Stärke liegt daher in einer ausgewogenen Mischung aus Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren."
Auch die wirtschaftliche Bedeutung der Altersvorsorge war Gegenstand der Untersuchung. VVO-Generalsekretär Christian Eltner erklärt:
"Die WIFO-Studie zeigt: Altersvorsorge ist auch eine volkswirtschaftliche Zukunftsfrage. Unsere staatlichen Pensionen finanzieren wir wesentlich auf Basis der heimischen Wirtschaftskraft. Mit kapitalgedeckter Vorsorge können wir zusätzlich ausländische Wertschöpfung ins Inland bringen und die Altersvorsorge damit auf eine breitere wirtschaftliche Basis stellen."
Die österreichischen Versicherungsunternehmen verwalten laut VVO bereits Kapitalanlagen von mehr als 100 Mrd. Euro. Über 50% davon sind in Österreich investiert.
Für den Versicherungsverband sind die Studienergebnisse auch Anlass, einen stärkeren Ausbau der betrieblichen und privaten Altersvorsorge zu fordern. VVO-Präsident Gregor Pilgram erklärt:
"Die aktuelle Diskussion über die Weiterentwicklung der Altersvorsorge zeigt, dass sich viele Menschen zusätzliche Möglichkeiten für den langfristigen Vermögensaufbau wünschen. Wer für das Alter vorsorgen möchte, braucht dafür attraktive, verlässliche und verständliche Rahmenbedingungen. Unser Ziel sollte es sein, möglichst vielen Menschen einen frühzeitigen Einstieg in die private und betriebliche Vorsorge zu ermöglichen und ihnen mehr Gestaltungsspielraum für ihre finanzielle Zukunft zu geben."
Ein aktuelles Thema ist dabei das geplante Zukunftsdepot, das Kindern einen frühzeitigen Vermögensaufbau ermöglichen soll. Der VVO spricht sich dafür aus, bei der Ausgestaltung auch Lebensversicherungen zu berücksichtigen und Familien die Wahl zwischen unterschiedlichen Vorsorgeformen zu ermöglichen.
Foto oben v.l.n.r.: Mag. Gregor Pilgram, Präsident des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs VVO , Dr. Thomas Url, Ökonom, Senior Economist WIFO, Mag. Christian Eltner, Generalsekretär des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs VVO, Univ.-Prof. MMag. Dr. Gabriel Felbermayr, PhD, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO)
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