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Wiener Städtische Vorsorgestudie 2026: Zweifel an staatlicher Pension nehmen weiter zu

Wiener Städtische Vorsorgestudie 2026: Zweifel an staatlicher Pension nehmen weiter zu

13. Januar 2026

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5 Min. Lesezeit

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Im Blickpunkt

Beim heutigen Pressegespräch haben Sonja Brandtmayer, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen Versicherung, Gerda Holzinger-Burgstaller, Vorstandsvorsitzende der Erste Bank, sowie Paul Eiselsberg, Studienautor von IMAS International, die Ergebnisse der Vorsorgestudie 2026 präsentiert. Demnach zweifeln drei Viertel der Österreicher an einer ausreichend hohen staatlichen Pension, zugleich messen 90% der privaten Altersvorsorge einen hohen oder sehr hohen Stellenwert bei.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 13.01.2026

Die Vorsorgestudie 2026 von Erste Bank, Sparkassen und der Wiener Städtischen zeigt eine zunehmende Verunsicherung in der österreichischen Bevölkerung. 61% der Befragten erwarten in den kommenden Monaten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und der Lebensqualität, 28% rechnen mit gleichbleibenden Verhältnissen, nur 9% mit einer Verbesserung. Diese Einschätzung wirkt sich direkt auf das Vorsorgeverhalten aus. Für 67% hat die Absicherung der eigenen Gesundheit einen hohen Stellenwert, für 61% die Pension und für 60% der Aufbau finanzieller Reserven für Krisenfälle. Auch Wohnen und Familie bleiben zentrale Vorsorgethemen.

Vertrauen in staatliche Pensionen sinkt deutlich

Drei Viertel der Österreicher glauben laut Studie nicht daran, im Alter eine ausreichend hohe staatliche Pension zu erhalten. Knapp die Hälfte der Befragten nennt mangelndes Vertrauen in den Staat als Hauptgrund für private Vorsorge, ebenso viele führen mögliche Schicksalsschläge an. 45% wollen durch Vorsorge ihr finanzielles Risiko reduzieren und ihren Lebensstandard im Alter sichern.

Sonja Brandtmayer, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen:

"Hier zeigen die zuletzt stärker werdenden Diskussionen über die Finanzierbarkeit des staatlichen Pensionssystems Wirkung. Drei Viertel der Befragten zweifeln demnach daran, später eine ausreichend hohe Pension vom Staat zu erhalten. Dass bereits heute jeder vierte Steuereuro in die Stützung der öffentlichen Pensionen fließt, verunsichert mittlerweile 8 von 10 Befragten in Österreich."

Sechs von zehn Befragten gehen davon aus, im Alter weiter arbeiten zu müssen, um ihren Lebensstandard halten zu können.

Private Vorsorge bleibt auf hohem Niveau

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten investieren die Menschen weiterhin beträchtliche Beträge in ihre Altersvorsorge. Im Durchschnitt werden monatlich 225 Euro für private Vorsorge aufgewendet. Männer investieren dabei mit 265 Euro deutlich mehr als Frauen, die im Schnitt 179 Euro pro Monat zurücklegen. Genutzt werden vor allem klassische Vorsorgeformen wie Sparkonten, Lebensversicherungen sowie Wertpapiere und Fondssparpläne. Auffällig ist, dass das Sparkonto erstmals seit Jahren an Bedeutung verliert, während Lebensversicherungen und kapitalmarktnahe Produkte zulegen.

Gerda Holzinger-Burgstaller, Vorstandsvorsitzende der Erste Bank Oesterreich:

"Erfreulich ist auch, die Höhe des Betrages, den die Menschen im Schnitt pro Monat bereit sind, für ihre persönliche Pensionsvorsorge zu investieren. Trotz der wirtschaftlichen Anspannungen bewegt sich dieser mit 225 Euro auf einem hohen Niveau."

Angst vor Altersarmut wächst

Das Risiko von Altersarmut wird zunehmend als real eingeschätzt. 39% der Befragten sehen die Gefahr, im Alter selbst betroffen zu sein, als hoch an. Besonders Frauen zeigen sich deutlich besorgter, da sie in Österreich rund dreimal so häufig von Altersarmut betroffen sind wie Männer. Als wirksamste Gegenmaßnahmen gelten für 86% eine möglichst frühzeitige private Vorsorge sowie für 77% eine stärkere staatliche Förderung privater Vorsorgelösungen. Entsprechend verhalten fällt auch die Zufriedenheit mit dem staatlichen Pensionssystem aus: 46% sind zufrieden, 44% nicht.

Geringe Zufriedenheit mit dem Pensionskonto

Obwohl das staatliche Pensionskonto seit 20 Jahren besteht, weiß nur rund die Hälfte der Befragten über das eigene Guthaben Bescheid. Von jenen, die ihre Ansprüche kennen, ist lediglich etwa die Hälfte sehr oder eher zufrieden. 45% zeigen sich unzufrieden, bei Frauen liegt dieser Wert mit 47% besonders hoch. Die erwartete durchschnittliche Bruttopension wird mit 2.023 Euro angegeben, wobei Männer mit 2.254 Euro rechnen, Frauen hingegen nur mit 1.748 Euro. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gewinnt private Vorsorge weiter an Bedeutung. Für 90% der Befragten hat private Vorsorge einen sehr hohen bzw. hohen Stellenwert.

Die Studie basiert auf einer Online-Befragung von 1.000 Personen zwischen 16 und 65 Jahren, durchgeführt Ende 2025 durch das Marktforschungsinstitut IMAS, und ist repräsentativ für die österreichische Bevölkerung dieser Altersgruppe.

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