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Geschlechtsspezifische Pensionslücke in Österreich mit 40% überdurchschnittlich hoch
29. Juli 2020

Geschlechtsspezifische Pensionslücke in Österreich mit 40% überdurchschnittlich hoch

Die relative Differenz im durchschnittlichen Pensionseinkommen von Frauen und Männern über 64 Jahren in Österreich ist mit 40% hinter Japan die zweithöchste in der OECD. Der OECD‐Schnitt bei Pensionsunterschieden liegt bei 26%. Zu diesem Ergebnis kam das Institut für Höhere Studien (IHS), das im Auftrag von Valida Vorsorge‐ und Pensionskasse den OECD-Bericht „Pension Markets in Focus 2019“ analysiert hat.


Anlässlich des diesjährigen Equal Pension Day macht Valida Vorsorge‐ und Pensionskasse gemeinsam mit dem Institut für Höhere Studien (IHS) auf die geschlechtsspezifische Pensionslücke in Österreich aufmerksam:

Das Pensionssystem hinkt naturgemäß den Angleichungen im Bereich der Löhne und Gehälter um Jahre bis Jahrzehnte hinterher: „Unter den Vollzeitbeschäftigten verdienten im Jahr 2000 Frauen in der OECD durchschnittlich 18% weniger als Männer. Hier lag Österreich im OECD‐Schnitt. Ein weiterer Grund für den Unterschied ist Teilzeitarbeit, da diese zu niedrigeren Löhnen und damit zu niedrigeren Pensionsbeiträgen führt“, erläutert Martin Kocher, Direktor des IHS. Österreich weist bei der Teilzeitarbeit von Frauen mit 35% die siebthöchste Rate unter den OECD‐Ländern auf. Der OECD‐Durchschnitt lag 2017 bei 22%.

Frauen verfügen über deutlich weniger Einkommen aus kapitalgedeckten Pensionen. Hinzu kommt, dass lediglich 3% der Pensionistinnen (und knapp 10% der Pensionisten) in Österreich über ein regelmäßiges Einkommen aus einer betrieblichen oder privaten Pensionsversicherung verfügen.

Ausweitung betrieblicher Pensionskassenbeiträge auf sämtliche Branchen und Sektoren

„Ein Blick auf die aktuell beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zeigt, dass Frauen seltener durch eine kapitalgedeckte Altersvorsorge abgesichert sind. Laut OECD waren 2014 in Österreich 13% der Männer im arbeitsfähigen Alter, aber nur 8% der Frauen betrieblich pensionsversichert. Über eine private Altersvorsorge verfügten 15% der Männer und 10% der Frauen. Die Ausweitung betrieblicher Pensionskassenbeiträge auf sämtliche Branchen und Sektoren wäre daher ein wichtiger Schritt, um dieses Gefälle auszugleichen“, erklärt Valida CEO Martin Sardelic.

Frauen sind zudem häufig in Sektoren mit geringer Abdeckung betrieblicher Altersvorsorge beschäftigt. Trotz der niedrigen Abdeckungsrate in Österreich zählt der absolute Unterschied zwischen Männern und Frauen hierzulande zu den höchsten in der OECD. Ein Hauptgrund dafür ist, laut dem IHS‐Direktor, dass Frauen besonders oft in Sektoren angestellt sind, in denen die Abdeckung mit betrieblicher Altersvorsorge gering ist. „Auch wenn man nur die Österreicherinnen und Österreicher betrachtet, die betrieblich oder privat für ihr Alter vorsorgen, zeigen sich erhebliche geschlechterspezifische Unterschiede. So ist das durchschnittliche freiwillig angesparte Pensionsvermögen von Männern aktuell mehr als doppelt so hoch wie das von Frauen“, resümiert Kocher.

Damit weist Österreich den größten Unterschied zwischen Männern und Frauen unter den betrachteten europäischen Ländern auf.





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