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Allianz-Studie: Wie Covid-19 Schadenszenarien für Unternehmen und Versicherer verändert
06. Oktober 2020

Allianz-Studie: Wie Covid-19 Schadenszenarien für Unternehmen und Versicherer verändert

Die Covid-19-Pandemie ist sowohl für Unternehmen als auch für Versicherer eines der größten wirtschaftlichen Schadenereignisse der Geschichte. Nicht nur die Höhe der finanziellen Folgen ist beispiellos. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sich auch mittel- bis langfristig neue Risiken und Schadentrends als Folge der Pandemie herausstellen. Die neuen Studie „Covid-19 – Changing Claims Patterns” von Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) zeigt auf, wie sich die Pandemie auf die Schadentrends in verschiedenen Versicherungsbereichen auswirkt.


Die Schätzungen schwanken, aber die Versicherungsbranche wird nach Angaben von Lloyd‘s im Jahr 2020 bis zu 110 Milliarden US-Dollar für Schäden im Zusammenhang mit der Pandemie zahlen müssen. Allein AGCS hat mehr als 450 Millionen Euro für erwartete Covid-19-Ansprüche reserviert, insbesondere für die Absage von Live-Veranstaltungen und die Unterbrechung von Film- oder Kinoproduktionen in der Unterhaltungsindustrie.

Rückgang in Sach- und Haft / Gerichtsprozesse ausgesetzt

Schadenmeldungen nach Verkehrsunfällen, Ausrutschern und Stürzen oder Arbeitsunfällen nahmen während der weltweiten Ausgangssperren ab, da viele Menschen zu Hause blieben und zahlreiche Geschäfte, Flughäfen und Betriebe vorübergehend geschlossen wurden. Die AGCS stellte auch eine positive Auswirkung auf die Schadenregulierung in den USA durch die Aussetzung von Gerichtsprozessen fest. Einige Kläger und Beklagte waren zu außergerichtlichen Vergleichen bereit, statt weiter abzuwarten, bis ihr Fall verhandelt werden kann – ein Trend, der auch in der kürzlich erschienenen AGCS-Veröffentlichung über Trends bei Haftpflichtschäden betont wurde.

Sachversicherung/Betriebsunterbrechung

Die Sachversicherung war durch Covid-19 nicht signifikant von Schäden betroffen, da Ursachen wie Feuer oder Wetter nicht mit der Pandemie korrelieren. Wenn die Produktionslinien nach einem vorübergehenden Stillstand jedoch wieder hochgefahren werden, kann dies das Risiko von Maschinenausfällen und -schäden und sogar von Bränden und Explosionen erhöhen. Da oft weniger Personen vor Ort sind, können sich Inspektionen und Wartungsarbeiten verzögern oder ein Brand oder Wasseraustritt zu spät bemerkt werden, was die Schwere von Schäden erhöhen kann.

Covid-19 hat weltweit zu Betriebsschließungen und -unterbrechungen geführt. Diese sind oft nicht versichert, da kein physischer Schaden als Auslöser der Deckung vorliegt. Die Pandemie hat sich jedoch auf unterschiedliche Weise auf Betriebsunterbrechungsschäden (BU) ausgewirkt. Einerseits werden Fabriken während eines Lockdowns keine großen BU-Schäden produzieren, da viele Hersteller, ihre Abnehmer und Lieferanten die Produktion gleichermaßen zurückfahren. Umgekehrt können Maßnahmen zur Pandemieeindämmung Betriebsunterbrechungen verlängern, da Zugangsbeschränkungen eine zügige Wiederinbetriebnahme verhindern.

Haftpflicht und Directors & Officers (D&O)-Versicherung

AGCS hat bisher erst wenige Haftpflichtforderungen im Zusammenhang mit der Pandemie registriert. Haftungsansprüche werden jedoch häufig erst zeitverzögert geltend gemacht, so dass allgemeine Haftungs- und Berufsunfallklagen im Zusammenhang mit Covid-19 noch eintreten können. Eine Reihe von Ausbrüchen des Coronavirus wurde mit risikoreichen Umgebungen wie Fitnessstudios, Kasinos, Pflegeheimen, Kreuzfahrtschiffen oder Lebensmittel-/Fleischverarbeitungsbetrieben in Verbindung gebracht.

Eine Welle von Insolvenzen könnte eine potenzielle Quelle für noch kommende D&O-Klagen sein. Die Pandemie könnte auch Rechtsstreitigkeiten gegen Unternehmen auslösen. So könnte dem Management vorgeworfen werden, das Unternehmen nicht angemessen auf das Risiko einer Pandemie oder generell auf einen längeren Zeitraum mit Einnahmeausfällen vorbereitet zu haben.

Langfristige Schadentrends

Die Covid-19-Pandemie beschleunigt viele Trends, wie z.B. die zunehmende Abhängigkeit von Technologie und das wachsende Bewusstsein für Stör- und Verlustfaktoren in komplexen globalen Lieferketten. Von vielen Unternehmen wird erwartet, dass sie aus den Erfahrungen der Pandemie Lehren ziehen und ihre Lieferketten neu organisieren, um Ausfallrisiken zu reduzieren und mehr Widerstandsfähigkeit aufzubauen. Dies könnte in kritischen Produktionsbereichen zu einer Rückverlagerung von Wertschöpfung führen. Ein solcher Schritt würde sich wahrscheinlich auf die Häufigkeit von Schadenfällen und die Kosten künftiger Betriebsunterbrechungen auswirken.

In der Zwischenzeit bedeutet die Zunahme des mobilen Arbeitens, dass die Unternehmen in Zukunft möglicherweise über weniger Immobilienbestand verfügen werden und weniger Mitarbeiter vor Ort in Firmenbüros tätig sein werden. Dies verändert die Risiken für die Arbeitgeberhaftpflicht oder für Cybergefahren. Während der Pandemie haben sich Cyberrisiken erhöht, zahlreiche Berichte verweisen darauf, dass Ransomware- und Business Email Compromise-Attacken zugenommen haben. AGCS hat bisher einige wenige Cyber-Schadenfälle registriert, die im Zusammenhang mit der Pandemie stehen.

Digitale Schadenbearbeitung

Covid-19 hat auch die Notwendigkeit einer Digitalisierung der Schadenbearbeitung verstärkt. Ferninspektionen und -bewertungen von Schadenfällen sind jetzt durch Satelliten-, Drohnen- oder Bilderfassungstechnologie und Tools wie MirrorMe möglich.

Bild: ©natali_mis – stock.adobe.com





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