AssCompact - Facebook

AFPA Marktdialog: Gleiche Spielregeln für FinTechs!
19. September 2019

AFPA Marktdialog: Gleiche Spielregeln für FinTechs!

Wer profitiert von digitalen Finanz- und Versicherungsdienstleistungen? Über diese Frage diskutierte eine Expertenrunde gestern beim 8. AFPA Marktdialog in Wien.


Werden Finanzberater und Versicherungsvermittler künftig von Algorithmen ersetzt? Diese Frage stand im Mittelpunkt der spannenden Diskussionsrunde. „Es liegt am Berater“, sagt Mag. Georg Markus Kainz, Präsident des Datenschutzvereins Quintessenz. In vielen Branchen werde mehr und mehr an den Kunden ausgelagert. „Den Bankkassier gibt es heute nicht mehr. Wir müssen bei der Digitalisierung aufpassen, dass wir die Hoheit über die Spielregeln behalten“, so Kainz. Er appellierte an die Beraterbranche, die aktuellen Entwicklungen nicht zu verschlafen: „Wenn wir es übersehen, reden wir in zehn Jahren hier nicht mit Menschen, sondern mit Algorithmen.“

„Unser Beratungsmodell hat Zukunft“

Auch die Leiterin der Abteilung Konsumentenpolitik in der AK Wien, Mag.a Gabriele Zgubic-Engleder, sieht einen starken Trend zur Selbstbedienungsökonomie: „60% der Österreicher betreiben Onlinebanking.“ Die Versicherungsbranche habe das Glück, dass viele Produkte nicht selbsterklärend seien. „Selbst eine Haushaltsversicherung ist ja nicht so einfach. Der Berater wird mehr Erfahrung haben, wo man beim Abschluss hinschauen muss.“

Johannes Muschik, Vorstand der AFPA und Mitglied im Vorstand der FECIF, stellte fest, dass mit zunehmender Regulierung auch der Erklärungsbedarf ständig steige. „Niemand wünscht sich den unregulierten Zustand zurück“, so Muschik, „aber wir erleben bei unseren Konsumenten oft Verärgerung, weil man nicht versteht, warum da so viele Unterschriften notwendig sind. Unser Job ist ja fast schon Lebensberatung. Ich glaube aber nicht, dass wir am Ende übrigbleiben, um den Kunden den Robo zu erklären!“ Im Gegenteil: Das Modell der Old Economy Beratung basiere auf sozialer Interaktion. „Unser Beratungsmodell hat Zukunft, weil wir in den letzten Jahren an der Qualitätsschraube gedreht haben!“

FinTechs nicht aufzuhalten

Auch Mag. Jörg Bartussek, Gründer und CEO der Finanzierungsplattform Finnest.com, sieht steigenden Beratungsbedarf, aber unter anderen Vorzeichen: „40% unserer Mitarbeiter sind Ex-Berater und Mitarbeiter der Old Economy der Finanzindustrie. Das Durchschnittsalter bei uns ist 52, von den 65 Mitarbeitern sind fünf Techniker, der Rest aus der Finanzbranche. Da gibt es super Jobchancen! Denn viele Ansprechpartner brauchen Experten, die den Finanzmarkt und den Versicherungsmarkt und die Regulatorien verstehen.“ FinTechs seien nicht aufzuhalten: „Die Welt wird nicht fragen, ob diese Runde das gut oder schlecht findet!“

Frank Genheimer, Korrespondent des Digital Insurer, forderte mehr Transparenz für Kunden, das fehlende Verständnis für Finanzprodukte sei aber ein gesellschaftspolitisches Problem: „Es ist vom Staat ein Stück weit verschlampt worden, den Einzelnen finanzfit zu machen!“ Dagegen helfe weder ein Basisinformationsblatt noch ein 250 seitiger Prospekt.

Gesetzgebung muss reagieren

Was die Regulierung betrifft, forderte Johannes Muschik Waffengleichheit und gleiche Spielregeln: „Wir erleben Warnungen der FMA vor unseriösen Anbietern, wir müssten auch über unseriöse Anbieter im Internet gewarnt werden:“ Die europäische Regulierung müsse auch für FinTechs gelten, 40% der FinTechs seien nicht von der Regulierung erfasst. Dem widersprach FMA-Juristin Mag. Fiona Springer im Publikum: „Die Aufsicht ist technologieneutral.“ Doch gerade im Kryypto-Asset-Bereich sei Internetbetrug weit verbreitet. Das sieht auch Gabriele Zgubic-Engleder ähnlich: „Die Entwicklungen erfolgen heute so schnell, dass die Gesetzgebung und die Regulatorien nicht mehr nachkommen!“

Die Globalisierung als Kernproblem sprach auch Georg Markus Kainz an: „Bytes und bits haben keine Flagge und kennen keine Grenzen.“ Mein Mensch, der mit einem Mausklick bezahlt, habe heute eine Ahnung, wo sein Geld hingeht. „Wir müssen gewappnet sein, dass das ein total unfairer Wettbewerb ist. Keine Behörde legt sich mit den Internet-Giganten an!“

Johannes Muschiks Fazit: Fairness einzuklagen könne nur auf europäischer Ebene passieren: „Das können wir nur politisch lösen!“

Am Podium von links: Gabriele Zgubic-Engleder, Georg M. Kainz, Moderatorin Claudia Schanza, Johannes Muschik, Frank Genheimer und Jörg Bartussek (©Foto Risavy).





AssCompact Abonement

Sie wollen das AssComapct Magazin und/oder den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Dass sich Handwerksbetriebe zuerst am Gesetz und dann erst an Kundenwünschen orientieren sollten, dazu rät Schadenexperte Dr. Wolfgang Reisinger.