AssCompact - Facebook

Humor: Hilfreiches Kommunikationstool in der beruflichen Welt
24. September 2020

Humor: Hilfreiches Kommunikationstool in der beruflichen Welt

Humor ist ein sehr hilfreiches Kommunikationstool. Studien der Verhaltenspsychologen belegen, dass sich durch Lachen nicht nur die eigene Stimmung bessert, sondern man damit auch andere Menschen schneller für sich und die eigenen Ideen einnehmen kann. Doch wenn Humor solche Vorteile mit sich bringt, warum wird sich dann in der Managementlehre, in der Entwicklung oder im Vertrieb so selten ernsthaft mit diesem Thema auseinandergesetzt? Der nachfolgende Überblickt zeigt, wie Humor in der beruflichen Welt einsetzbar ist.


Von Klaus-Jürgen Deuser, deutscher Comedypreisträger, Künstler, Produzent und Unternehmer

Humor als Stressbewältigung

In Stresssituationen oder Momenten der Angst geraten wir oft in zwei sehr unterschiedliche Aktionsmodi. Entweder wir verfallen in einen übersteigerten Aktionismus oder in eine Schockstarre. Aber in dem Moment, in dem wir es schaffen, über die Situation zu lachen, lösen wir unser Denken aus der Panik und führen es in lösungsorientierte Bahnen zurück. Versuchen Sie die jeweilige Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Machen Sie sich die Absurdität der Situation klar. Wie würden Sie die Situation bewerten, wenn nicht Sie im Epizentrum des Geschehens stehen würden? Was könnte ein anderer an dieser Situation für komisch halten? Vergessen Sie in diesem Moment die Bewertung der Situation. Das Ziel von Humor ist nicht das Lachen; das eigentliche Ziel von Humor ist es, die Panik abzubauen und das Denken zu fördern. Diese Art der Stressbewältigung ist eine Form der Konditionierung. Jedoch müssen Sie sich überhaupt erst einmal auf einen solchen Ansatz einlassen und dann feste Stressbewältigungsroutinen aufbauen. Aber selbst wenn Sie sich zwingen, in Stresssituationen nur einmal zu lachen, ohne zu wissen, warum, verändern Sie Ihre Gedanken und damit Ihre Handlungen zu Ihrem Vorteil.

Humor fördert Kreativität

Des Weiteren ist Humor eine unschätzbare Hilfe bei der Suche nach neuen Ideen. Gerade in dieser disruptiven Zeit großer Veränderungen suchen alle nach neuen Lösungen und Ansätzen. Es ist paradox: Alle bekannten Ressourcen sind begrenzt, nur Ideen sind es nicht. Dummerweise fallen uns die guten Ideen aber genau dann nicht ein, wenn wir sie wirklich brauchen. In diesen Momenten kommt eine weitere Stärke von Humor zum Tragen. Humor ist gelebte Kreativität, denn Humor fördert divergentes Denken.

Divergentes Denken ist die Grundlage für Kreativität, quasi ein „über den Tellerrand blicken“. Wenn Sie vor einem Problem stehen, für das Ihnen gar nichts einfällt, versuchen Sie „lustig zu denken“. Überspitzen Sie Ihre Gedanken. Fragen Sie sich, wie ein Superheld das Problem lösen würde. Was würde Ihre Mutter dazu sagen? Gute Ideen sind Regelbrecher. Kreative Gedanken halten sich nur selten an Normen oder Vorschriften; sie verändern sie. Weil wir aber immer nach praktisch anwendbaren Lösungen Ausschau halten, schaffen wir es oft nicht, unsere gedankliche Komfortzone zu verlassen.

Humor ist nichts anderes als ein Katalysator, der uns hilft, Denkblockaden zu überwinden und ungewöhnliche Ideen wachsen zu lassen. Und erst nachdem man diesen Prozess des Loslassens durchlaufen hat, sollte man die Ideen durch den Filter der Machbarkeit und der Profitabilität laufen lassen. Wir sollten lernen, den Ernsthaft-lustig-Filter nicht schon am Anfang, sondern erst am Ende des Kreativitätsprozesses einzuschalten. Studien aus der Verhaltensforschung zum Priming-Phänomen zeigen, dass schon die Vorstellung des Begriffs Humor das divergente Denken fördert.

Königsdisziplin der Kommunikation

Wer das Thema Humor für sich nutzen möchte, sollte ein wenig Geduld mitbringen, denn zuerst sollte man die grundlegenden Präsentationshausaufgaben machen und erst dann wird man humorvoll – nicht umgekehrt. Dabei gibt es drei wesentliche Prinzipien:

  • 1. Sein Publikum zum Lachen zu bringen. Das heißt: Wir müssen publikumsorientiert und nicht künstlerorientiert denken. Wer sitzt vor mir? Warum sind die hier und wie kann ich deren Erwartungshaltung mit meinen Fähigkeiten bespielen? Dieses Prinzip des „Publikumslesens“ ist den meisten Menschen bewusst, es wird nur viel zu selten angewandt.
  • 2. Gags und Storys sind selten von Anfang an grandios. Sie werden es durch Übung. Nur durch ständiges Wiederholen werden Feinheiten wie Timing und Spannungsbogen optimiert.Oft halten wir nicht lange genug durch, weil wir glauben, irgendjemand hat die Story schon gehört, oder wir beginnen uns zu langweilen, weil wir sie schon dreimal erzählt haben. Aber es geht nicht um uns, sondern um die Zuschauer. Trauen Sie sich, Geschichten zu wiederholen und sie so zu erzählen, als ob es das erste Mal wäre.
  • 3. Ruhe und aushalten. Pausen sind verbale Ausrufezeichen und die Grundlage eines guten Präsentationstimings. Trauen Sie sich Pausen und Langsamkeit zu. Das ist enorm schwer und es gehört viel Mut dazu, Pausen zu setzen. Aber: Mit jeder Pause wird die nächste leichter.

Quelle: AssCompact Deutschland, bearbeitet von AssCompact Österreich

Bild: ©bankrx - stock.adobe.com





AssCompact Abonement

Sie wollen das AssComapct Magazin und/oder den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Dass sich Handwerksbetriebe zuerst am Gesetz und dann erst an Kundenwünschen orientieren sollten, dazu rät Schadenexperte Dr. Wolfgang Reisinger.