Veränderungen in Marktstrukturen und Organisation beschäftigen derzeit viele Versicherungsunternehmen. Ing. Thomas Lackner, Vorstandsvorsitzender der HDI Versicherung AG, erläutert die strategischen Schwerpunkte seit seinem Amtsantritt, ordnet aktuelle Entwicklungen im Vertrieb ein und spricht über Digitalisierung, Risikomanagement und strukturelle Veränderungen im Maklermarkt.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 30.01.2026
Seit Mai 2023 steht Ing. Thomas Lackner an der Spitze der HDI Versicherung AG. Der neu formierte Vorstand habe früh drei Schwerpunkte definiert: Vertrieb, Digitalisierung und Human Resources. „2023 wurde der Vorstand neu aufgestellt. In meinem Verantwortungsbereich als CEO liegen im Wesentlichen die Versicherungstechnik für Privat- und Industrie-/Firmenkunden, der Vertrieb sowie unsere Niederlassungen in Tschechien, Ungarn und der Slowakei. Im Vorstand haben wir drei Schwerpunkte festgelegt. Erstens wollten wir den Vertrieb stärken, indem wir Abläufe verbessern, die Produktqualität sichern und die Marke sichtbarer machen. Zweitens treiben wir die Digitalisierung voran. Dazu gehört die Modernisierung unserer Systeme, bessere Schnittstellen und der gezielte Einsatz von KI. Drittens liegt der Fokus auf Human Resources, weil es entscheidend ist, Talente zu halten, weiterzuentwickeln und neue anzuziehen“, erklärt Lackner.
Arbeitsumfeld und organisatorischer Wandel: "Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter soll aktiv mitgestalten"
Parallel zu strukturellen Anpassungen werde laut Lackner auch an der internen Zusammenarbeit gearbeitet. Dabei stehe weniger Hierarchie als vielmehr Eigenverantwortung im Vordergrund. „Bei uns zu arbeiten ist spannend, weil wir uns gerade stark verändern. Wir entwickeln die HDI zu einer agilen Organisation, in der Zusammenarbeit und Eigenverantwortung einen hohen Stellenwert haben. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter soll aktiv mitgestalten können, weshalb wir Bottom-up-Prozesse fördern und das Prinzip der Profitcenter breit verankern. Unser Ziel ist es, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Menschen wie Unternehmer im Kleinen handeln können und das nötige Vertrauen dafür bekommen“, so Lackner.
Digitalisierung als branchenweite Herausforderung: "Das Wissen darf nicht verloren gehen"
Lackner sieht die Digitalisierung als zentrales Thema für die kommenden Jahre. Diese Entwicklung betreffe Strukturen, Prozesse und Qualifikationen gleichermaßen. „Die größte Herausforderung ist für mich ganz klar die Digitalisierung. Automatisierung und Künstliche Intelligenz werden unsere Arbeit spürbar verändern und viele Funktionen neu ausrichten. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass das Wissen, das heute in den Unternehmen steckt, nicht verloren geht, sondern weitergegeben wird. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass sich Berufsprofile verändern. Am Ende geht es darum, all diese Veränderungen so zu bewältigen, dass wir effizient bleiben und die Aufgaben auch kostenseitig stemmen können“, betont Lackner.
Entwicklungen im Privat- und Industriegeschäft: "Digitale Angebote gewinnen an Bedeutung, Beratung bleibt wichtig"
Nach Einschätzung von Lackner verlaufen die Veränderungen im Markt nicht einheitlich. Unterschiede zwischen Privatkunden- und Industriegeschäft spielen dabei eine wesentliche Rolle. „Ich sehe unterschiedliche Entwicklungen im Retail- und im Industriegeschäft. Im Privatkundenbereich wird sich das Kaufverhalten verändern, weil die neuen Generationen anders an Versicherungsprodukte herangehen. Digitale Angebote werden an Bedeutung gewinnen, aber Beratung bleibt wichtig, vor allem bei komplexeren Produkten oder in der Schadenabwicklung. Ich gehe daher davon aus, dass es künftig eine starke Kombination aus digitalen Lösungen und persönlicher Betreuung geben wird“, führt Lackner aus.
Versicherbarkeit und Risikomanagement im Firmenkundensegment: "Wichtig ist, frühzeitig miteinander zu sprechen"
Viele Unternehmen stehen laut Lackner vor zunehmenden Herausforderungen bei Deckungen und Versicherungssummen. Entscheidend sei aus seiner Sicht der frühzeitige Umgang mit Risiken. „Ich glaube nicht, dass diese Entwicklung wieder verschwindet. Wichtig ist, dass Versicherer, Maklerinnen, Beraterinnen und Firmenkunden frühzeitig miteinander sprechen und klären, was ein Unternehmen mittel- und langfristig wirklich braucht. Aus meiner Sicht steht am Anfang immer das eigene Risikomanagement. Man muss wissen, wo es mögliche Schwachstellen gibt und welche Themen existenzgefährdend sein können“, erklärt Lackner.
Umgang mit Naturgefahren: "Risiken selektiv und individuell bewerten"
Auch Naturgefahren spielen eine zentrale Rolle in der Risikobewertung. Lackner weist unter anderem darauf hin, dass Naturgefahren sehr unterschiedlich zu bewerten sind. Entsprechend unterschiedlich gehe man auch bei der Risikoeinschätzung vor. „Man muss bei Naturgefahren genau hinschauen, weil nicht jede Gefahr gleich gut planbar ist. Bei Hochwasser können wir mittlerweile auf sehr präzise Tools zurückgreifen, die zeigen, wie ein Standort liegt und welches Risiko damit verbunden ist. Diese Möglichkeiten nutzen wir konsequent. Bei Hagel ist das deutlich schwieriger, weil solche Ereignisse kaum verlässlich vorherzusagen sind. Unser Zugang ist daher, Risiken sehr selektiv und individuell zu bewerten“, so Lackner.
Vertrieb: Engere Zusammenarbeit zwischen Privat- und Firmengeschäft
Auch im Vertrieb hat HDI in den vergangenen Jahren strukturelle Veränderungen vorgenommen. Lackner zufolge hat die Neuorganisation des Vertriebs zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen Privat- und Firmengeschäft geführt. Gleichzeitig bleibe die grundsätzliche Ausrichtung unverändert. „Durch die neue Struktur können wir Synergien heben, weil die Verantwortlichkeiten klarer sind und beide Bereiche enger zusammenarbeiten. Unsere Vertriebsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sind heute mit einem deutlich breiteren Angebot unterwegs, was die Gespräche mit unseren Partnerinnen und Partnern spürbar bereichert. Für uns überwiegen die Vorteile, ausschließlich mit ungebundenem Vertrieb zu arbeiten, weil wir Produkte und Services ganz gezielt auf diese Anforderungen ausrichten können“, hält Lackner fest.
Konsolidierung im Maklermarkt
Strukturelle Veränderungen prägen den Vermittlermarkt zunehmend. Dabei rücken Nachhaltigkeit und Geschäftsmodelle stärker in den Fokus. Neue Zusammenschlüsse und Modelle beobachte HDI laut Lackner sehr genau. „Die Nachfolgefrage wird den Markt noch länger prägen, und das sieht man bereits heute sehr deutlich. Viele Betriebe suchen Lösungen, und gleichzeitig entstehen neue Gruppierungen, die Maklerinnen und Makler übernehmen und bündeln. Die eigentliche Frage ist für mich, wie nachhaltig diese neuen Modelle sind und welches Geschäftsmodell dahintersteht. Die Konsolidierung im Bereich des unabhängigen Vertriebs wird sich vermutlich fortsetzen“, so Lackner.
Foto oben: Ing. Thomas Lackner im Gespräch mit Franz Waghubinger
zurück zur Übersicht
Beitrag speichern
sharing is caring
Das könnte Sie auch interessieren












