Der Collection Complexity Score 2026 von ACREDIA und Allianz Trade zeigt eine leichte Entspannung beim globalen Forderungseinzug. Mit 47,2 von 100 Punkten bleibt das Risikoniveau jedoch hoch, insbesondere im grenzüberschreitenden Handel.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 30.01.2026
Die Durchsetzung offener Forderungen zählt weltweit weiterhin zu den zentralen Herausforderungen für Unternehmen. Der Collection Complexity Score 2026, erstellt von ACREDIA in Zusammenarbeit mit Allianz Trade, weist einen globalen Wert von 47,2 von 100 Punkten aus und liegt damit unverändert in der Kategorie „hoch“. Rund 48% der internationalen Handelsforderungen entfallen auf Länder mit sehr hoher oder extremer Inkassokomplexität, was einem Volumen von rund 1,1 Bio. US-Dollar entspricht.
Leichte Entspannung gegenüber der letzten Erhebung
Im Vergleich zur Erhebung aus dem Jahr 2022 ist die globale Inkassokomplexität leicht gesunken. Der Anteil der Länder mit extremer Komplexität reduzierte sich von 16% auf 15%, jener mit sehr hoher Komplexität von 29% auf 21%. Gleichzeitig nahm der Anteil der Länder mit hoher sowie beachtlicher Komplexität zu. Trotz dieser Verschiebungen bleibt der Forderungseinzug anspruchsvoll, nicht zuletzt aufgrund hoher Insolvenzzahlen, fragmentierter Handelsstrukturen, geopolitischer Spannungen, volatilen Protektionismus sowie zunehmender digitaler Risiken.
Gudrun Meierschitz, Vorständin der ACREDIA Group:
"Auch wenn sich die globale Inkassokomplexität zuletzt leicht entspannt hat, bleibt der Forderungseinzug für Unternehmen weltweit eine große Herausforderung. Unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen, lokale Zahlungsgepflogenheiten und hohe Insolvenzzahlen erhöhen vor allem im internationalen Geschäft das Ausfallrisiko. Ein strukturiertes Kredit- und Forderungsmanagement sowie die laufende Bewertung von Länderrisiken sind daher wichtiger denn je."
Österreich mit stabilen Rahmenbedingungen
Für österreichische Unternehmen bietet das heimische Umfeld grundsätzlich vergleichsweise stabile Voraussetzungen für den Forderungseinzug. Das Zahlungsverhalten gilt als überwiegend verlässlich, und der europäische Rechtsrahmen stellt wirksame Instrumente bei Zahlungsverzug zur Verfügung. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass außergerichtliche Lösungen, insbesondere mit spezialisierten Partnern, häufig effizienter sind, um offene Forderungen zeitnah einzubringen.
Das österreichische Insolvenzrecht ist auf Sanierung ausgerichtet. Rund ein Drittel der insolventen Unternehmen kann über Sanierungspläne fortgeführt werden, was die Chancen auf zumindest teilweise Rückführungen erhöht. Scheitern diese Verfahren oder kommt es zu einem Konkurs, bleiben die Rückflüsse für unbesicherte Gläubiger meist begrenzt. Seit 2021 steht Unternehmen ergänzend das präventive Restrukturierungsverfahren zur Verfügung.
Inkassorisiken in wichtigen Exportmärkten
Eine ergänzende Analyse von Allianz Trade und Allianz Research zeigt, dass Inkassorisiken auch in zentralen Exportmärkten Österreichs bestehen. Unter den 20 wichtigsten Exportdestinationen gelten unter anderem China, die Slowakei und Indien als besonders anspruchsvoll, wenn es um die Durchsetzung offener Forderungen geht. Hohe Exportvolumina sind demnach kein verlässlicher Indikator für geringe Inkassorisiken, da diese stark von lokalen Zahlungsgewohnheiten, gerichtlichen Verfahren und Insolvenzregelungen abhängen.
Gudrun Meierschitz weist darauf hin, dass Insolvenzverfahren und lokale Zahlungspraktiken weltweit zentrale Treiber der Inkassokomplexität bleiben und strukturelle Unterschiede selbst in funktionierenden Rechtssystemen den grenzüberschreitenden Forderungseinzug erschweren, insbesondere für exportorientierte Unternehmen.
Selektivität gewinnt an Bedeutung
Vor dem Hintergrund sich verändernder globaler Handelsströme gewinnen neue Handels- und Produktionszentren zunehmend an Bedeutung. Viele dieser Märkte weisen jedoch eine sehr hohe bis extreme Inkassokomplexität auf. Für international tätige Unternehmen wird es daher wichtiger, Geschäftsbeziehungen selektiv zu gestalten und Forderungsrisiken frühzeitig abzusichern.
Foto oben: Gudrun Meierschitz, Vorständin der ACREDIA Group
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