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AssCompact Schadensymposium 2025: Mit Prävention und KI Risiken früher erkennen

AssCompact Schadensymposium 2025: Mit Prävention und KI Risiken früher erkennen

20. November 2025

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6 Min. Lesezeit

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Recht & Wissen

Unter dem Motto „Zwischen Anspruch und Wirklichkeit – Wege zur fairen und effizienten Schadenabwicklung“ findet seit heute früh das AssCompact Schadensymposium 2025 in der Eventpyramide Wien/Vösendorf statt. 238 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten dort praxisnahe Einblicke in aktuelle Entwicklungen des Schadenmanagements – von rechtlichen Rahmenbedingungen über technologische Innovationen bis hin zu Herausforderungen in der täglichen Abwicklung.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 20.11.2025

AssCompact-Herausgeber und Schadensymposium-Veranstalter Franz Waghubinger eröffnete das Symposium und machte deutlich, dass sich zentrale Herausforderungen wie Naturereignisse, steigende Risiken und die begrenzte Versicherbarkeit mancher Bereiche zunehmend im Schadengeschehen niederschlagen. Er betonte, dass diese Entwicklungen die Arbeit von Maklern und Versicherungswirtschaft tiefgreifend beeinflussen und Prävention sowie Risikomanagement stärker denn je in den Mittelpunkt rücken:

"Gerade im Maklerbetrieb ist es notwendig, sich mit diesen technologischen Entwicklungen auseinanderzusetzen und effizientere Prozesse zu entwickeln, um Risiken frühzeitig zu erkennen und professionell zu managen. Besonders im gewerblichen Risikomanagement zeigt sich, dass einzelne Branchen teilweise nur schwer oder gar nicht abgesichert werden können, weshalb Risikomanagement künftig an Bedeutung gewinnt – möglicherweise sogar als eigener Bereich innerhalb der Marktwirtschaft. Trotz aller Fortschritte durch KI, Digitalisierung und neue Modelle bleiben rechtliche und haftungsrechtliche Aspekte ein unverzichtbarer Bestandteil, denn das Gesetz bleibt maßgeblich."

Im Anschluss eröffnete Moderator Wolfgang Kaiser, ehemaliger Vertriebsleiter der HDI Versicherung, das Fachprogramm.

Dr. Andreas Eustacchio: Digitale Haftung und neue Risiken

Den ersten Vortrag hielt Dr. Andreas Eustacchio, LL.M. (London, LSE), Rechtsanwalt und Hon.Prof. (FH), zum Thema „KI, Automatisisierung und die neue EU-Produkthaftungs-Richtlinie – Wie sich Risikolandschaften für Ihre Versicherungs-Kunden verändern“.

Zu Beginn erläuterte er zentrale Grundlagen zu KI, Deep Learning und autonomen Entscheidungsprozessen und zeigte, warum der Blackbox-Effekt für Haftungsfragen eine große Rolle spielt. Anschließend ging er auf klassische Haftungsmodelle ein und veranschaulichte anhand von Beispielen aus Medizin, Verkehr und Haushalt, wie Fehler in KI-basierten Anwendungen zu Schäden führen können. „Durch Digitalisierung können neue Schadenbilder entstehen, etwa Manipulationen oder Ausfälle selbstlernender Systeme sowie falsche Entscheidungen durch KI. Ein automatisiertes Fahrzeug kann aufgrund eines Softwarefehlers einen Unfall verursachen. Digitale Systeme bergen zudem das Risiko von Serienfehlern“, erklärte Dr. Eustacchio.

Weiters stellte er die neue EU-Produkthaftungsrichtlinie vor, die Software, KI-Systeme und digitale Dienste erstmals ausdrücklich als Produkte definiert und damit verschuldensunabhängige Haftung auslösen kann. Weitere Themen waren Updatepflichten, Cybersicherheit und die Frage, wann Unternehmen oder Händler selbst als Hersteller gelten können.

Dr. Thomas Hlatky: KI und Prävention verändern die Schadenabwicklung

Danach ging es mit dem Vortrag von Dr. Thomas Hlatky, Head of Reinsurance der GRAWE Group, weiter. Er zeigte, wie stark Naturkatastrophen und zunehmende Extremereignisse die Schadenabwicklung prägen und warum digitale Instrumente künftig unverzichtbar werden. Ereignisse wie die Schäden in Niederösterreich 2024 oder das Ahrtal hätten deutlich gemacht, wie dynamisch sich Risiken entwickeln und wie wichtig moderne Modelle der Risikobewertung sind.

Im Zentrum seines Vortrags standen neue digitale Anwendungen wie HORA, das heute risikorelevante Situationen dreidimensional darstellen kann. Damit lassen sich Gefahrenlagen sichtbar machen und Präventionsmaßnahmen nachvollziehbar begründen. Auch bildgestützte KI werde die Bewertung von Hagel- oder Überflutungsschäden beschleunigen und die Erstabschätzung im Massenschaden deutlich erleichtern.

„Wenn wir Risiken nicht frühzeitig reduzieren, geraten wir als Branche an Grenzen. Einzelne Naturgefahren werden sonst schlicht nicht mehr versicherbar sein. Prävention wird zur Voraussetzung dafür, dass Versicherung auch künftig funktionieren kann.“, so Dr. Hlatky.

Michael Kraus und Thomas Fischer-Seidl: KI in der Schadenregulierung – von der Vision zur Praxis

Anschließend zeigten Michael Kraus, Gründer und Geschäftsführer von Novum, und Akad. Vkfm. Thomas Fischer-Seidl, Geschäftsführender Gesellschafter der Thomas & Petra Schrimpf GmbH, in ihrem Vortrag „Erleben Sie, wie echte KI wirkt – nicht als Vision, sondern als praxiserprobte Realität“, wie Künstliche Intelligenz Versicherungsprozesse bereits heute verändert.

Die beiden Experten demonstrierten anhand konkreter Beispiele, wie KI Schadenmeldungen automatisch erkennt, Daten strukturiert verarbeitet und Entscheidungen vorbereitet. Die vorgestellten Anwendungen laufen bereits produktiv und entlasten Mitarbeitende spürbar.

„Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren intensiv mit Prozessmanagement, und der nächste logische Schritt war, KI in unsere Abläufe zu integrieren. Die Technologie ist so weit, dass sie echte Unterstützung bietet“, erklärte Fischer-Seidl.

Kraus zeigte, wie die Plattform 9elf26.ai ohne Systemwechsel an bestehende IT angebunden wird und Prozesse in Echtzeit beschleunigt.

„Durch KI verfügen wir heute über Werkzeuge, die Prozesse spürbar schneller, präziser und kosteneffizienter machen – das ist greifbare Praxis, nicht Theorie“, so Kraus.

Am Nachmittag geht es mit folgenden Referenten weiter:

  • Mag. Natascha Jäger & Mag. Joe Kaltschmid: „Delay.Distract.Disaster – Wie die Cyber-Schadenabwicklung garantiert zur Katastrophe wird“ – typische Fehlerquellen und rechtliche Konsequenzen im Cyber-Schadenfall.
  • Mag. Markus Freilinger & Mag. Alexander Meixner: „Schadenabwicklung durch den Versicherungsmakler – Zwischen Pflicht, Haftung und rechtlicher Schnittstelle“ – rechtliche Grenzen, Haftungsfragen und bewährte Vorgehensweisen im Makleralltag.

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