Wiener Städtische: Jeder Dritte Österreicher hat Interesse an privater Gesundheitsvorsorge

Wiener Städtische: Jeder Dritte Österreicher hat Interesse an privater Gesundheitsvorsorge

07. September 2022

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7 Min. Lesezeit

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News-Versicherungen

Der aktuelle Gesundheitszustand der Österreicher ist laut Selbsteinschätzung auf einigermaßen gutem Niveau. Dennoch macht sich ein deutliches Ausmaß an mentaler Belastung bei Kindern bemerkbar. Das Interesse an einer privaten Gesundheitsvorsorge steigt. Hauptgrund dafür sind die langen Wartezeiten auf Termine bei Kassenärzten. Das sind die Ergebnisse der Gesundheitsstudie 2022 des Gallup Instituts im Auftrag der Wiener Städtischen Versicherung.

Andreas Richter

Redakteur/in: Andreas Richter - Veröffentlicht am 9/7/2022

Die Corona-Pandemie stellt weiterhin ein zentrales Thema für die österreichische Bevölkerung dar. Die diesjährige Gesundheitsstudie der Wiener Städtischen widmet sich dazu mit Fragen zur COVID-Impfbereitschaft, Long-COVID, dem generellen Gesundheitsbefinden von Herr und Frau Österreicher, die mentale Belastung bei Kindern, dem Gesundheits- und Vorsorgeverhalten sowie der Frage, welche Rolle die Alternativmedizin bei der gesundheitlichen Versorgung spielt und dem Interesse an einer privaten Gesundheitsvorsorge. 1.000 Österreicherinnen und Österreicher im Alter von 16 bis 70 nahmen an der Online-Umfrage teil. Die Ergebnisse wurden heute bei einer Presskonferenz von Doris Wendler, Vorstandsdirektorin Wiener Städtische Versicherung, und Gabriele Reithner, Senior Studienleiterin Gallup Institut, vorgestellt.

8 von 10 impfwilligen Österreichern für jährliche COVID-Impfung

„Die Pandemie ist noch nicht vorbei und hat – neben Stress und anderen Alltagsbelastungen – immer noch einen ganz klaren Einfluss auf das körperliche sowie mentale Wohlbefinden der Österreicherinnen und Österreicher sowie auf deren Gesundheitsverhalten“, fasst Doris Wendler die Ergebnisse der Gesundheitsstudie zusammen. Genauer gesagt, geben 53% der Österreicher an, bereits am Coronavirus erkrankt gewesen zu sein, 7% davon mehrfach. 4 von 10 offiziell „Genesenen“ berichten von anhaltenden, sogenannten Long-COVID-Symptomen. Im Vordergrund stehen dabei körperliche Erschöpfung und mentale Antriebslosigkeit. Die Mehrheit der Österreicher ist laut eigenen Angaben bereits vollständig gegen das Coronavirus geimpft. In dieser Gruppe zeigen sich 60% bereit, sich bei Empfehlung des Nationalen Impfgremiums im Herbst ein weiteres Mal impfen zu lassen. Offen dafür sind vor allem Personen ab Mitte 50 und mit höherem Bildungsniveau. Für 80% jener, die eine positive Einstellung zu einer weiteren Impfung haben, ist auch eine jährliche Impfung gegen COVID-19 vorstellbar. Rund ein Sechstel der Österreicher zählt zu den sogenannten Impfskeptikern – sie sind aktuell nicht geimpft und laut eigenen Angaben auch in Zukunft nicht zu einer Impfung zu bewegen.

Besonders Kinder mental sehr gefordert

Die Mehrheit bewertet mit 61% ihr körperliches Befinden und mit 62% ihren mentalen Zustand mit (sehr) gut. Im Jahresverlauf zeigt sich bei den Befragten zwar überwiegend Stabilität, teilweise werden jedoch auch Veränderungen evident.

Dabei ist der Anteil an Verschlechterungen im körperlichen Bereich tendenziell höher als im mentalen: In etwa jeder Dritte berichtet von einer Verschlechterung des eigenen körperlichen Gesundheitszustandes in den letzten zwölf Monaten, jeder Vierte nimmt eine Verschlechterung des mentalen Befindens wahr. Als Grund werden primär die Belastungssituation des Alltags sowie die Pandemie und deren Rahmenbedingungen genannt.

Auch bei Kindern macht sich ein deutliches Ausmaß an mentaler Belastung bemerkbar: 43% der Befragten mit Kindern bis 18 Jahre im Haushalt sehen bei diesen eine (sehr) deutliche Belastung, insbesondere bei Kindern im Teenageralter. Ein Fünftel der Eltern berichtet zudem von einer Verschlechterung des psychischen Befindens bei ihren Kindern in den letzten zwölf Monaten.

„Gerade in der Altersgruppe 15 bis 18 Jahre gehen Körper und Psyche auf eine abwechslungsreiche Reise. Hinzu kommen andere Belastungen, etwa durch die Pandemie im vergangenen Jahr, die Jugendliche deutlich spüren“, so Wendler.

Alternativmedizin auf Vormarsch

Mehr als ein Drittel achten mehr auf die eigene Gesundheit als vor zwölf Monaten. Das Ernährungsverhalten hat mehr als ein Viertel (29%) optimiert, bei den sportlichen Ambitionen zeigt sich eine polarisierende Situation: Fast ebenso viele haben ihre sportlichen Aktivitäten intensiviert (15%) bzw. treiben nun weniger Sport (18%).

Generell spielt beim Gesundheitsverhalten der ganzheitliche Zugang für einen Großteil eine wichtige Rolle, die Alternativmedizin ist in Österreich gut etabliert: Knapp 70% nehmen sie als Teil der gesundheitlichen Versorgung wahr. Homöopathie, gefolgt von Bachblüten und Akupunktur werden am meisten genutzt.

Dabei lässt sich ein deutlicher geschlechtsspezifischer Unterschied erkennen: Während 46% der Männer über keinerlei Erfahrungswerte mit alternativmedizinischen Behandlungen verfügen, sind es bei Frauen lediglich 28%. Generell geht der Trend aber nach oben: Mehr als ein Viertel (27%) bekunden nun ein höheres Interesse als vor zwölf Monaten – vor allem bei Frauen und Personen bis Mitte 30 ist dieser Zuwachs festzustellen.

Private Vorsorge für Jüngere ein großes Thema

Auch wenn alternativmedizinische Behandlungen bislang kaum vom öffentlichen Gesundheitssystem übernommen werden, attestieren die Österreicher diesem ein durchaus positives Zeugnis: 56% zeigen sich damit (sehr) zufrieden. Grund dafür sind primär die gegebene Grundversorgung, ein breites Spektrum an abgedeckten, schulmedizinischen Leistungen sowie ein hohes qualitatives Niveau der Ärzteschaft und Kliniken.

Dennoch ist bei 30% der Österreicher das Interesse für eine private Gesundheitsvorsorge in den letzten 12 Monaten gestiegen – bei Personen bis Mitte 30 sind es sogar 37%.

Die fünf meistgenannten Gründe für den Abschluss einer privaten Gesundheitsvorsorge lauten: lange Wartezeiten auf Termine bei Kassenärzten (63%), Kassenärzte haben für Patienten wenig Zeit zur Verfügung (51%), steigende Selbstbehalte für Leistungen – z.B.. Arztbesuche (47%), Leistungseinschränkungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (40%) sowie schwere Bewilligung von Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung – z. B. MRT (29%).

Foto oben v.l.n. r.: Doris Wendler, Vorstandsdirektorin Wiener Städtische Versicherung, und Gabriele Reithner, Senior Studienleiterin Gallup Institut

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