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Kfz-Serie: So sehen Versicherer die Mobilität der Zukunft
08. Mai 2020

Kfz-Serie: So sehen Versicherer die Mobilität der Zukunft

Wie schätzen Österreichs Kfz-Versicherer unter dem Gesichtspunkt „Autonomes Fahren“ Mobilität in 20 Jahren ein? Das ist heute Thema unseres Kfz-Schwerpunkts, das im Fokus eines geplanten Roundtables stehen sollte. Der Roundtable musste wegen des Corona-Virus abgesagt werden. An seiner Stelle luden wir die Teilnehmer zu einer Interviewrunde auf Distanz ein, die wir auszugsweise diese Woche täglich im AssCompact Newsletter veröffentlichen. 


Stichwort „Autonomes Fahren“: Wagen Sie einen Blick in die Glaskugel – wie stellen Sie sich Mobilität in 20 Jahren vor und welche veränderte Rolle könnte dann der Kfz-Versicherung zukommen? Welche Auswirkungen sind auf die Schadenquote zu erwarten?

Thomas Ackerl (Vorstandsdirektor muki Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit): Autonomes Fahren dürfte nicht nur mit steigender digitaler Vernetzung verknüpft sein, sondern auch neue Formen der Mobilität mit sich bringen – beispielsweise das Verschwimmen der Grenze zwischen öffentlichem und Individualverkehr, eine Entwicklung zu „nutzen statt besitzen“ und so weiter. Das Ideal autonomer Mobilität wäre natürlich eine deutlich sinkende Schadenquote, wenn wir dank der Logarithmen nur noch „perfekte“ Fahrer haben; ich bin da jedoch skeptisch… Vorstellen kann ich mir eine „lebende Polizze“ in Symbiose aus Kunde / Fahrzeug und dessen Daten / Werkstatt etc., die Versicherer und Kunden gleichermaßen updatet und bei einem Verkehrsunfall sofort die Rettung informiert, eine digitale Schadenmeldung erstellt, die Ursache ermittelt und den Werkstattauftrag erteilt.

Andreas Gruber (Leiter Schaden Unfall Privatkunden der Helvetia Versicherungen AG): Ehrlicherweise ist es jetzt schon nicht einfach, die nächsten fünf Jahre zu prognostizieren. Ein Blick soweit in die Zukunft ist seriös nicht möglich. Da befinden wir uns mehr im Spektrum der eigenen Fantasien. Ich bin jedoch überzeugt, dass es auch im Bereich der Mobilität zu einer Disruption kommen wird. Unsere Aufgabe ist es, die technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen genau zu beobachten, um dann die Agilität zu haben, mit Versicherungslösungen darauf zu reagieren.

Bernhard Lackner (Vorstandsdirektor der Niederösterreichischen Versicherung AG): In 20 Jahren wird die Trendwende weg vom Verbrennungsmotor hin zum E-Auto bzw. alternativen Antriebe weitgehend vollzogen sein. Teil- oder sogar vollautonom verkehrende Fahrzeuge werden Alltag sein, womit die Kfz-Versicherung als Produkthaftpflichtversicherung zu sehen sein wird. Vor allem im urbanen Bereich werden Carsharing-Modelle werden sehr verbreitet sein, und die Bedeutung des „Privat-Kfz“ wird abnehmen.

Christoph Marek (Vorstand Allianz Elementar Versicherungs-AG): Ich sehe einen großen Trend in Richtung Mobilität on demand. Dies wird gerade in Städten verstärkt Car Sharing sein, sicherlich in Kombination mit dem Angebot öffentlicher Verkehrsmittel. Am Ende des Tages werden wohl weniger Menschen ihr eigenes Auto besitzen, gleichzeitig aber viel mehr unterschiedliche Fortbewegungsmittel nutzen. Für Versicherungen bedeutet dies ein entsprechendes Umdenken; vielleicht werden zukünftige Kunden ihre persönliche Autoversicherung haben, egal mit welchem Auto sie gerade unterwegs sind.

Wolfgang Petschko (Vorstand der DONAU Versicherung AG): Ganz klar – der Wunsch der individuellen Mobilität wird weiter sehr dominierend sein. Die technologischen Entwicklungen versprechen viel, sind aber noch immer fehleranfällig. Die fortschreitende Digitalisierung beeinflusst dabei die Fahrzeugkonzepte. Und dennoch sind sehr viele technische und auch rechtliche Fragen weiter unbeantwortet. Letztlich wird es so sein, dass der Fahrzeugbesitzer weiterhin für die Schäden, die durch sein Fahrzeug entstehen, haftbar ist. Und das wiederum erfordert eine individuelle Versicherung. Mobilitätskonzepte, wie vernetztes Fahren, sind noch in den Kinderschuhen. Somit ist auch der Beitrag, den sie z.B. auf die Schadenquote haben könnten, nicht einschätzbar. Für das autonome Fahren zeichnen sich noch Fragen ab, die individuelles Handeln von „programmierten“ Fehlern abgrenzen und definieren.

Sven Rabe (Vorstandsvorsitzender der VAV Versicherungs-AG): Die diskutierten Trends zum autonomen Fahren werden sich in der einen oder anderen Form realisieren. Wahrscheinlich nicht in allen Verkehrssituationen und es wird bis dahin wohl auch noch eine Zeit lang dauern. Ich bin der festen Überzeugung, dass Kunden und Vertriebspartner weiterhin den lokalen Versicherungsunternehmen vertrauen, da nur hier eine individuelle Schadenbetreuung unter Berücksichtigung der Marktusancen möglich ist -Schadenbusiness is local! Schäden wird es auch weiterhin geben – die Schadenquoten werden sich nicht wesentlich ändern, da bei ausreichendem Wettbewerb die Anpassung über die Prämie erfolgt!

Michael Schlögl (Prokurist der Wiener Städtischen Versicherung AG): Mittlerweile tendieren immer mehr Experten zur Annahme, dass das autonome Fahren eher in 30 als in 20 Jahren Normalität wird. Weiteren Rückgängen bei vom Fahrer verursachten Schäden durch Assistenzsysteme, stehen höhere Kosten durch teurere verbaute Technologie und höhere Anforderungen bei deren Reparatur und neue Kumulrisiken im Zuge der vernetzten Mobilität gegenüber. Deutliche Prämien- oder Schadenveränderungen in der Kfz-Versicherung sehe ich mittelfristig nicht.

Josef Stockinger (Generaldirektor der Oberösterreichischen Versicherung AG): Auch in Zukunft wird es Fehler und Fehlleistungen geben. Autonomes Fahren braucht daher eine Versicherung. In ländlichen Regionen sind autonome Fahrstrecken vorerst ohnehin Zukunftsmusik. Klar ist aber, dass die Kfz-Sparte deutlich schrumpfen wird.

Philipp Wassenberg (Vorstandsvorsitzender der ERGO Versicherung AG): Anhand der Summe von über 2,5 Mrd. Euro pro Jahr, die ja einerseits für die Begleichung erlittener Sachschäden, aber auch insbesondere verletzten Personen zu Gute kommen, zeigt sich, wie wichtig Kfz-Versicherungen sind und hier auch hohe Beträge zur Begleichung der Schäden nach Kfz-Unfällen ausgegeben werden. Wenn man die Entwicklung der Schadenkosten betrachtet, dann lässt sich leicht feststellen, dass sowohl die Aufwände für Personenschäden als auch für Sachschäden in den letzten Jahren stetig gestiegen sind. Eine „angemessene“ Entschädigung für Menschen, die durch einen Unfall verletzt worden sind, ist begrüßenswert und sinnvoll. Aber höhere Schadenkosten führen eben auch zu steigenden Durchschnittsprämien. Die Versicherer sind gut beraten, zumindest einen Teil der Kostenentwicklung durch Verschlankung interner Abläufe und optimiertes Schadenmanagement abzufedern.

Günther Weiß (Vorstand der HDI Versicherung AG): In 20 Jahren wird sicherlich eine hohe Anzahl von Kfz mit alternativer Antriebstechnik die Straße bevölkern, das 100%ige autonome Fahren sehen wir hier noch nicht, da der Zyklus des Fahrzeugwechsels und die Ablöse des Altbestands so schnell nicht funktionieren kann, wenn auch die Technik vielleicht schon in Richtung vollautonomes Fahren geht. Somit wird es auch in 20 Jahren die Kfz-Versicherung geben. Im Schadenverlauf erwarten wir in der Zukunft keine großen Veränderungen.





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