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Fondsgebundene Lebensversicherung in der bAV – Wundermittel oder Teufelszeug?
20. Oktober 2021

Fondsgebundene Lebensversicherung in der bAV – Wundermittel oder Teufelszeug?

Der langfristige Vermögensaufbau für die Altersvorsorge wird durch die sinkenden Garantiezinsen sowie die weiterhin niedrige Gesamtverzinsung in der klassischen Lebensversicherung gefährdet. Dies trifft nicht nur den privaten Bereich, sondern auch die betriebliche Altersvorsorge, insbesondere dort, wo sie über Pensionszusagen mit Rückdeckungsversicherungen erfolgt.


Von Mag. Thomas Wondrak (Foto)

Die Corona-Krise hat sich bisher nicht zu einer großflächigen und langanhaltenden Wirtschafts- oder Finanzkrise entwickelt. Spezielle Branchen, wie insbesondere der Tourismus und die Gastronomie, leiden trotz staatlicher Unterstützungsleistungen weiterhin. Der Kapitalmarkt allerdings hat schon 2020 die anfänglichen extremen Verluste aus dem März/April 2020 ausgeglichen und 2021 entwickelte sich bisher zu einem ausgezeichneten Börsejahr.

Diese kurzfristigen Effekte an der Börse sowie die sachten Änderungen in der Zinspolitik wirken sich noch nicht bei einer konservativen Asset Allokation aus und so wird ab Juli 2022 der Garantiezins in der klassischen Lebensversicherung auf null absinken. Das bedeutet zwar, dass es auf das angesparte Nettokapital eine Garantie gibt, die Marktchancen der klassischen Lebensversicherung steigen dadurch sicherlich nicht.

Die Kapitalmarktentwicklung schlägt bei anderen Produkten der bAV direkter und schneller durch, wie insbesondere bei den Pensionskassen. Die Jahresendperformance lag 2020 im Durchschnitt bei 2,5% (besser als noch im AssCompact Beitrag vom November 2020 prognostiziert) und am Ende des 3. Quartals 2021 bereits wieder bei 5,5%. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Vorsorgekassen (Abfertigung Neu), die 2020 allerdings auf Grund der Kapitalgarantie ca. 1%-Punkt hinter den Pensionskassen lagen.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass Versicherer, Makler und Kunden gleichermaßen nach sinnvollen Alternativen zur klassischen Lebensversicherung suchen. Was bei der privaten Vorsorge schon länger ein Thema ist, entwickelt sich nun auch bei der Abdeckung von betrieblichen Altersvorsorgerisiken zum „Renner“. Grundsätzlich eignet sich auch eine fondsgebundene Lebensversicherung zur Absicherung, es sind aber ein paar Feinheiten zu beachten. Die Abdeckung einer rein beitragsorientierten Zusage (Beiträge des Arbeitgebers sind betraglich fixiert) wird aus steuerlichen Gründen nicht funktionieren. Ebenso benötigt das Unternehmen zur (steuerschonenden) Rückstellungsbildung einen gewissen Anteil an klassischer Lebensversicherung. Es entwickeln sich daher am Markt sogenannte Kombi- oder Hybridprodukte.

Jede Chance birgt Risiken

Dem Unternehmen muss darüber hinaus bewusst sein, dass jede Chance auch Risiken birgt und eine schlechte Performance Nachfinanzierungen erfordern wird. In „guten“ Zeiten ist das jedem klar, in „schlechten“ wird schnell behauptet, man habe das nicht verstanden oder wurde nicht oder nicht richtig aufgeklärt. Ein wesentlicher Aspekt bei der Verwendung der fondsgebundenen Lebensversicherung ist daher die umfassende Bedarfserhebung, die ausgewogene Information über Chancen und Risiken und die vollständige Dokumentation all dieser Informationen. Fehler aus der Vergangenheit sollte die Branche nicht wiederholen. Wichtig ist daher auch die kompetente und konsequente Schulung der Vertriebsmannschaft, aber auch die korrekte Vertragsgestaltung.

Und wenn die Anbieter das auch nicht gerne hören oder lesen: selbstverständlich ist die Kostenfrage ein Aspekt, den es beim Anbieten derartiger Produkte zu berücksichtigen gilt. Zu hohe Kosten zerstören schnell eine gute Performance und verursachen unzufriedene Kunden.

Unternehmer sind auf die besten MitarbeiterInnen angewiesen

Ein Aspekt, der Ende 2020 bereits absehbar war, aber damals noch kaum realisiert wurde: Unternehmer sind auf die besten MitarbeiterInnen angewiesen. Studien zeigen, dass für die DienstnehmerInnen eine angemessene bAV wichtiger ist als viele andere Zusatzleistungen des Arbeitgebers. Es genügt daher nicht, lediglich die (Gesellschafter-) Geschäftsführer-Ebene zu versorgen, sondern die gesamte Belegschaft soll von einer zeitgemäßen betrieblichen Altersvorsorge profitieren. Betriebswirtschaftlich gesehen ist jeder Euro in die Vorsorge günstiger als eine Gehaltssteigerung.

Die fondsgebundene Lebensversicherung wird nicht alle Probleme in der Absicherung von Pensionsverpflichtungen lösen können, ist also sicherlich kein Wundermittel. Teufelszeug ist sie aber auch nicht, da langfristig die Partizipation am Kapitalmarkt den notwendigen Mehrertrag bringt. Es wird auf die gesunde Mischung und auf einen transparenten Markt ankommen.

Über Mag. Thomas Wondrak

Der ausgebildete Jurist gilt als der unabhängige Experte Österreichs für betriebliches Vorsorgewesen. In seiner bisherigen beruflichen Laufbahn leitete er die Rechtsabteilung bei der Valida Vorsorge Management und war Vorstand in der BAV Pensionskassen AG. Seit 2010 ist er unter dem Namen konsequent wondrak als selbstständiger Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt betriebliche Altersvorsorge tätig und leitet seit 2015 den Lehrgang Sozialkapital für Betriebliche Altersvorsorge.

Den Beitrag lesen Sie auch in der AssCompact November-Ausgabe!

Titelbild: ©sewcream – stock.adobe.com



Kommentare

von Markus MBA, MSc... am 20.10.2021 um 14:16 Uhr
Thomas Wondrak legt es hier auch schön dar. Und es freut mich ungemein endlich auch mal so etwas wie eine etwas differenziertere Betrachtung zu dem Thema zu lesen.

Es passiert eben jetzt wieder, dass die Fehler der Vergangenheit 1:1, wenn nicht in Einzelfällen sogar multipliziert, wiederholt werden. Da ist derzeit schon die ein oder andere Vertriebsorganisation damit unterwegs: FLV als die "Standardlösung", hochgerechnet mit jenseits der 5 % Performance p.a. - und die prognostizierte Rente aus den Versicherungen leistungsorientiert zugesagt. Damit werden rückwärtsgerichtete Konzepte in der bAV bedient, beispielsweise "Leistungsorientierung" als DIE Standardvariante.

Maßgeblich ist das Gesamtkonzept der Lösung über die gesamte Laufzeit, also Verwaltbarkeit, laufende Kosten usw. Das wird halt gerne mal ausgeblendet bzw., auch Praxis, ist das eben im Lichte einer hohen Abschlussprovision dem ein oder anderen Vermittler egal. Die FLV schaut halt so gut aus im Offert wenn man mit 3-5 % Performance hochrechnet... Und wenn ein Kunde wirklich, und nicht weil es ihm aufgeschwatzt wird, mehr Ertragschancen in seiner Rückdeckung haben will und sich der unweigerlichen Konsequenzen bewusst ist (und natürlich gibt es solche Kunden), ist man in aller Regel mit einem Wertpapierdepot in Kombination mit einer Klassischen für die § 14-Deckung besser bedient. Zumindest bei den aktuellen steuerlichen Rahmenbedingungen (insb. Versicherungssteuer) und oftmals bei den Kosten (und ja, auch bei mehrmaligem Fondsswitch wenn ein Kunde etwas Ahnung von dem hat was er tut, und für andere ist die Variante "dynamisch" vielleicht ohnehin nicht die richtige) - aber hier bestimmt der Standort in der Argumentation in der Regel den Standpunkt...

Ich fürchte, dass es spätestens wenn die Zinsen wieder etwas anziehen, und der (Aktien-)Markt ist jetzt bereits wieder deutlich überhitzt ob der hohen Liquidität im Markt, wieder so kommt wie es kommen muss: Eine stärkere Kurskorrektur und/oder längerer Bärenmarkt führen dann wieder zu einem massiven Anstieg der Beitragsfreistellungen und Rückkäufe, weit unterfinanzierten Zusagen in den Bilanzen usw. Und dann muss wieder, berechtigt oder unberechtigt, irgendjemand dran schuld sein...

Einige gute bAV-Experten haben wir ja ohne Zweifel in Österreich - denen geht damit das Geschäft der Sanierung von Zusagen, oder vielleicht gar mehr bei Gerichtssachverständigen, in der Zukunft zumindest nicht...




von Thomas Wondrak am 21.10.2021 um 12:31 Uhr
Danke Markus für Deinen Kommentar, der die Sache wieder genau trifft. Es hängt die Beurteilung der Vor- und Nachteile leider von Faktoren ab, die schwer vorhersehbar sind, daher ist eine ausgewogene Beratung umso wichtiger.



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