AssCompact - Facebook

Abfertigung Alt: Renaissance der Auslagerung
06. November 2020

Abfertigung Alt: Renaissance der Auslagerung

Viele Firmenkunden haben kürzlich ein Schreiben Ihrer Bank erhalten, wo ihnen – unter Bezug auf das aktuelle Marktumfeld und die Niedrigzinspolitik – eine unangenehme Nachricht mitgeteilt wurde. Nämlich, dass ihnen ab einem bestimmten Betrag auf ihrem Konto für den Zahlungsverkehr bzw. bei Konten mit Guthaben demnächst ein sogenanntes „Verwahrentgelt von 0,50% p.a.“ verrechnet wird. Stefan Moser und Dr. Heimo Czepl über die Renaissance der Auslagerung der Abfertigungsansprüche „alt“.


Um oben beschriebenes etwas plakativer auszudrücken: „Negativzinsen“. Gleichzeitig befinden sich viele dieser Unternehmer in der Situation, dass zahlreiche langjährige Mitarbeiter mit vielen Jahren Zugehörigkeit dem System Abfertigung Alt (mit Anstellung vor dem 01.01.2003) unterliegen.

Praxisbeispiele Liquiditätsbedarf

Unternehmen mit 77 Mitarbeitern im System „alt“, Abfertigungsanspruch in Summe 3.954.494 Euro

Für liquide Unternehmen stellt diese (künftige) Verpflichtung zwar aktuell keinen Liquiditätsengpass dar, warum sollten die Unternehmer aber nicht das Praktische mit dem Nützlichen verbinden? Statt Negativsteuern auf hohe Guthaben zu zahlen, können Gelder gezielt zur Liquiditätsvorsorge eingesetzt werden und dabei noch steuerlich und bilanziell ein Nutzen daraus gezogen werden.

Die Auslagerung der Abfertigungsansprüche an eine Versicherung gemäß Randziffer 3369a der EStR 2000 stellt eine mögliche Lösung dar.

Wie funktioniert die Auslagerung?

Für den Dienstnehmer wird eine Direktversicherung mit einer unwiderruflichen Zweckwidmung und einem bedingten Bezugsrecht abgeschlossen. Die steuerrechtlichen Rückstellungen werden vollständig aufgelöst, die vom Unternehmen an eine Versicherung bezahlte Erstprämie in Höhe der steuerrechtlichen Rückstellung ist Betriebsausgabe, somit ein steuerliches „Nullsummenspiel“. Die steuerrechtliche Rückstellung muss jedoch in den Folgejahren in einer „Schattenrechnung“ mitgeführt werden. Die Folgeprämien werden in einer Höhe ermittelt, die den Abfertigungsanspruch (kollektivvertragliche oder gesetzliche Ansprüche) des Dienstnehmers vollständig ausfinanzieren werden. Unternehmensrechtlich verbleibt nur noch der Saldo aus unternehmensrechtlicher Rückstellung und angespartem Kapital in der Bilanz, wobei die Rückstellung im Laufe der Zeit immer kleiner wird durch die Ausfinanzierung der Abfertigung.

Arbeitsrechtlich bleibt das Band zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer in vollen Umfang bestehen.

Bildlich dargestellt:

In der täglichen Finanzierungspraxis spielt die Verminderung der Bilanzsumme bzw. daraus abgeleitet die Erhöhung der Eigenkapitalquote eine überragende Rolle. Lagere ich die Abfertigung alt aus und verwende dazu vorhandene Liquidität hebe ich im selben Zug die Bonität des Unternehmens, was sich wiederum auf die Sicherheiten und Finanzierungskonditionen auswirkt. Dieser Umstand wird in der Praxis häufig zum Schaden des Unternehmens übersehen.

Exkurs internationale Rechnungslegung (IFRS)

Für Großunternehmen, die den Spielregeln der internationalen Rechnungslegung (IFRS) unterliegen, ergibt sich gegenüber den oben dargestellten Konsequenzen kein wesentlicher Unterschied. Dies liegt daran, dass für das österreichische UGB geltenden Auslegungsregeln in Form der „AFRAC-Bestimmungen“ den Regeln der internationalen Rechnungslegung nachgebildet sind. So ist die für das österreichische UGB geltende Auslegungsbestimmung AFRAC Nr 27 (Für Personalrückstellungen anzuwenden) de facto 1:1 dem IAS NR 19 nachgebildet.

Die wesentliche Konsequenz ist somit auch in der internationalen Rechnungslegung die Saldierung der Abfertigungsrückstellung gemäß IFRS-Regelungen mit dem einbezahlten Kapital in die ausgelagerte Versicherung. Es kommt zu einer massiven Verringerung der Abfertigungsrückstellung zu Versicherungsbeginn, die sich im Laufe der Zeit gegen Null nähert. Ebenso wird die Eigenkapitalquote erhöht.

Veranlagung Tarif Erlebensversicherung

Durch den Entfall der Versicherungssteuer beim Einmalerlag sowie der laufenden Prämienzahlung dieser Erlebensversicherung, nur diese sind zulässig, können attraktive Renditen erwirtschaftet werden.

Von Stefan Moser, MOSER Betriebliche Vorsorge GmbH und Dr. Heimo Czepl, Czepl & Partner GmbH & Co KG





AssCompact Abonement

Sie wollen das AssComapct Magazin und den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Dass sich Handwerksbetriebe zuerst am Gesetz und dann erst an Kundenwünschen orientieren sollten, dazu rät Schadenexperte Dr. Wolfgang Reisinger.