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Nachfrage in der bAV steigt – trotz oder wegen Corona?
05. November 2020

Nachfrage in der bAV steigt – trotz oder wegen Corona?

In Krisenzeiten steigt die Sparleistung der Menschen – so auch derzeit. Betriebliche Altersvorsorge ist ebenfalls eine Sparleistung für die Zukunft, daher ist es jetzt ein ausgezeichneter Zeitpunkt die UnternehmerInnen auf die Vorteile der bAV aufmerksam zu machen und von Regierungsseite die weitere Stärkung der bAV voranzutreiben. Es muss schließlich einen guten Grund haben, dass bereits ein Viertel der Unternehmen eine bAV den MitarbeiterInnen anbietet.


Im Vergleich zur staatlichen Pension stammt bisher nur ein relativ kleiner Teil unseres Alterseinkommens aus der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). 90% trägt die staatliche Sozialversicherung bei, lediglich 6% die bAV, der Rest kommt aus der privaten Vorsorge.

Jetzt könnte man meinen, dass in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit bei der betrieblichen Vorsorge gespart wird. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Obwohl die Corona Krise die Möglichkeit bietet, Beitragszahlungen in Pensionskassen und Versicherungen einzustellen oder auszusetzen, scheint dies nicht im großen Ausmaß zu passieren. Endgültige Widerrufe von Pensionszusagen auf Grund von bevorstehenden Konkursen sind zumindest derzeit an einer Hand abzuzählen. Sicherlich wird derzeit noch viel in die Zukunft geschoben und man darf gespannt sein, wie die Situation Anfang 2021 sein wird. Tatsache ist aber, dass es in etlichen Branchen nach einem ersten Schock wieder aufwärts geht.

Leicht positive Stimmung am Aktienmarkt

Selbst wenn die Fallzahlen wieder in Höhe schnellen, die bevorstehende Impfung und das Gefühl der Menschen, dass wir langsam, aber sicher den Umgang mit dem Virus beherrschen und steuern können, lässt die Wirtschaft wieder positiv in die Zukunft blicken.

Die leicht positive Stimmung zeigt sich auch am Aktienmarkt und beispielsweise bei der Performance der Pensionskassen: die Verluste im 1. Quartal 2020 sind beinahe wieder aufgeholt und es sollte sich bis Ende des Jahres zumindest eine schwarze Null ausgehen. An der langfristigen Durchschnittsperformance, die bei Pensionskassen bei 5,5% pa liegt, wird sich daher nicht viel ändern.

Digitalisierungsschub und raschere Produktinnovationen

Die Krise beschleunigt aber auch gewisse Entwicklungen: Nicht nur bei der Digitalisierung kann man einen Schub bei den Unternehmen feststellen. Produktinnovationen kommen rascher und zielgerichteter auf den Markt. Finanzprodukte, die mit niedrigen Zinsen und Nullprozentgarantien zu kämpfen haben, verschwinden zusehend vom Markt und werden durch neue Produkte ersetzt.

Im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge ist vermehrt zu beobachten, dass fondsgebundene Lebensversicherungsprodukte als Absicherung der Pensionsverpflichtungen von Unternehmen zum Einsatz kommen. Höhere Risiken werden dort mit höherem potentiellem Ertrag belohnt. Ein wesentlicher Faktor beim Vertrieb wird die ausreichend klare und transparente Information und objektive Aufklärung über die Chancen und Risiken sein. Fehler aus der Vergangenheit sollte die Branche nicht wiederholen. Wichtig ist daher auch die kompetente und konsequente Schulung des Vertriebes aber auch die korrekte Vertragsgestaltung.

Menschen wollen sich absichern

Die Krise führt aber auch dazu, dass sich Menschen vermehrt mit ihrer persönlichen Vorsorge und Absicherung beschäftigen. Betroffen sind Menschen einerseits wirtschaftlich auf Grund von Arbeitslosigkeit, geringerem Einkommen durch Kurzarbeit oder als Selbständige im Bereich KMU, die mit dem Wegfall ihrer Geschäftsgrundlage zu kämpfen haben. Andererseits beschäftigen wir uns aber auch intensiver mit der Gesundheitsvorsorge und der Absicherung bei Krankheit und Tod. Hier liegt die Stärke der bAV, da sie im Kollektiv den Risikoausgleich schafft und kostengünstig Produkte anbietet, die die Bedürfnisse der Menschen abdeckt.

Und einen Aspekt darf man jedenfalls nicht vergessen: auch wenn es jetzt krisenbedingt zu einer geringeren Beschäftigungsquote kommt, werden Unternehmer nach der Krise auf die besten MitarbeiteInnen angewiesen sein. Studien zeigen, dass für die DienstnehmerInnen eine angemessene bAV wichtiger ist als viele andere Zusatzleistungen des Arbeitgebers. Im europäischen und internationalen Umfeld gehört eine bAV-Lösung für die MitarbeiterInnen zum Standard. Es genügt daher nicht, lediglich die (Gesellschafter-) Geschäftsführer-Ebene zu versorgen, sondern die gesamte Belegschaft. Betriebswirtschaftlich gesehen ist jeder Euro in die Vorsorge günstiger als eine Gehaltssteigerung.

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Von Mag. Thomas Wondrak (Foto), unabhängige Experte für betriebliches Vorsorgewesen, selbstständiger Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt betriebliche Altersvorsorge, Leiter des Lehrgangs Sozialkapital für Betriebliche Altersvorsorge.



Kommentare

von Florian Steger am 05.11.2020 um 12:45 Uhr
Sehr guter Beitrag Thomas! Kann ich nur bestätigen und Teile voll Deine Meinung.
Auf eine gute BAV-ZEIT!!!


von Thomas Wondrak am 06.11.2020 um 11:17 Uhr
Danke und auf bald!

LG
Thomas

von Stefan Funcke (... am 05.11.2020 um 12:53 Uhr
Guter Artikel, Herr Mag. Wondrak! Insbesondere die kollektive Risikoabsicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit für ganze Belegschaften ist ein sehr wichtiger Punkt.

von Thomas Wondrak am 06.11.2020 um 11:18 Uhr
Da bin ich ganz Ihrer Meinung und das wird leider viel zu oft vergessen!
LG und bis bald!

Thomas Wondrak



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