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WIFO und Gallup: „Pensionsmythen“ der Österreicher
21. Februar 2020

WIFO und Gallup: „Pensionsmythen“ der Österreicher

Mehrere „Pensionsmythen“ orten das Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und das Gallup Institut in einer gemeinsamen Untersuchung. Demnach weiche die Einschätzung der Österreicher oft „teils deutlich“ von der Faktenlage ab.


Mit dem „Meinungscheck“ starten WIFO und Gallup eine Initiative, um den „oftmals emotionalen und ideologisch erhitzten Diskurs in unserer Gesellschaft zu versachlichen“. In der Untersuchungsreihe wird die Meinung der Bevölkerung zu volkswirtschaftlichen Themen erhoben und evidenzbasierten Informationen gegenübergestellt. Zum Auftakt wurden die Ergebnisse zum österreichischen Pensionssystem präsentiert.

Wo die größten „Mythen“ herrschen

Laut der Erhebung liegt die Bevölkerung in der Rückschau auf die vergangenen 40 Jahre vor allem bei der Entwicklung des Pensionsantrittsalters, der Lohn- und Pensionsdynamik und der Kaufkraft daneben. Im Ausblick bis 2060 klaffen Meinung und Prognose etwa beim Anstieg des tatsächlichen Pensionsantrittsalters deutlich auseinander. Besonders pessimistisch blicken die Befragten der monetären Entwicklung entgegen. Weitaus höher lag die Trefferquote bei der gegenwärtigen Pensionshöhe und dem aktuellen tatsächlichen Antrittsalter. Auch die zukünftige Entwicklung der Zahl der Pensionisten und die prognostizierte Finanzierbarkeit sind zu einem großen Teil mit den WIFO-Berechnungen kompatibel.

Falsche Einschätzung bei Antrittsalter und Pensionshöhe

62% der Befragten sind der Meinung, das gesetzliche Pensionsantrittsalter für Männer sei in den vergangenen 40 Jahren gestiegen. 60% vermuten einen Anstieg bei Frauen. Im Durchschnitt nehmen die Befragten einen Anstieg von 3,6 Jahren bei den Männern und 3,3 Jahren bei den Frauen an. Tatsächlich hat sich aber das Regelpensionsalter (60 Jahre bei Frauen, 65 Jahre bei Männern) in den letzten vier Jahrzehnten nicht verändert.

Ein Fünftel der Befragten geht von einer Stagnation und ein weiteres Fünftel sogar von einem Sinken der durchschnittlichen Alterspension in den letzten vier Jahrzehnten aus. Nur sechs Prozent sagen, dass es einen starken Anstieg gegeben hat. Etwas weniger als die Hälfte (46%) meint, dass die Pensionen „etwas“ gestiegen sind. Tatsächlich ist die Alterspension – sie lag 2018 bei 1.324 Euro brutto im Monat – zwischen 1978 und 2018 real um 1,3% pro Jahr gestiegen.

Antrittsalter wird überschätzt

Die Österreicher gehen laut Studie von einem deutlichen Anstieg des tatsächlichen Pensionsantrittsalters in der Zukunft aus. Sie erwarten, dass Männer 2060 im Durchschnitt mit 67,3 Jahren und Frauen mit 64,3 Jahren ihre Pension antreten werden. Der Anstieg des tatsächlichen Pensionsantrittsalters wird damit von der Bevölkerung im Vergleich zur langfristigen WIFO-Prognose überschätzt. Erwerbsprognosen ergeben, dass das tatsächliche Pensionsantrittsalter der Männer von aktuell 61,5 Jahre langfristig um bis zu 2 Jahre steigt, jenes der Frauen von 59,4 Jahre um bis zu 4 Jahre. Auch die bis 2060 prognostizierte Inflation wird von der Bevölkerung überschätzt. Die Mehrheit der Befragten (58%) glaubt, dass die Preise langfristig „stark ansteigen“. Das WIFO geht hingegen von einem leichten Anstieg von zwei Prozent pro Jahr aus, der historisch gut begründet ist. Schließlich lag der Anstieg der Verbraucherpreise seit dem EU-Beitritt im Durchschnitt sogar unter 2% pro Jahr.

Foto: ©PrintingSociety - stock.adobe.com





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