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VVO-Präsident Svoboda: „Erwarte nicht, dass wir zig Gesetze abschaffen“
19. Juni 2019

VVO-Präsident Svoboda: „Erwarte nicht, dass wir zig Gesetze abschaffen“

Wie man junge Kunden erreicht, welche Forderungen er an die Politik hat und was die Lebensversicherung von einem Kaiserschmarrn unterscheidet, erklärt Mag. Kurt Svoboda, Vorstandsvorsitzender UNIQA Österreich Versicherungen AG, CFO/CRO der UNIQA Insurance Group AG und Präsident des Österreichischen Versicherungsverbandes VVO, im Interview mit AssCompact.


Als Versicherer müsse man „vom Produktanbieter zum Serviceanbieter“ werden, um neue Generationen zu erreichen. „Ich bin mir nicht sicher, ob meine beiden Töchter auch UNIQA-Kundinnen wären, wenn ich nicht bei UNIQA wäre. Denn sie achten auf Services, die Versicherungen derzeit noch nicht anbieten“, sagt Kurt Svoboda im Gespräch mit AssCompact-Herausgeber Franz Waghubinger. „Da geht es etwa darum, dass man eine Kfz-Versicherung nicht von 1. Jänner bis 31. Dezember braucht, sondern nur dann, wenn ich das Auto fahre.“

In der schwierigen Leben-Sparte hält Svoboda Beratungsqualität für unverzichtbar. „In der Lebensversicherung gibt es kein klassisches ‚Kochrezept‘ wie bei einem Kaiserschmarrn, für den man Eier, Mehl und Milch braucht. Sie ist ein flexibles und situationsangepasstes Element, das Transparenz und Verständlichkeit braucht.“ Die Lebensversicherung sei auch kein Sparprodukt. „Wenn du sparen willst, ist die Bank besser. Warum sollte man trotzdem eine Lebensversicherung machen? Weil man für seine Vorsorge ab einem gewissen Zeitpunkt anspart oder für seine Nachkommen vorsorgt.“

„Für viele Regierungen nicht die Nummer-Eins-Priorität“

Dabei werde in Österreich vor allem die Diskussion über das Thema Pflege vernachlässigt. „Vor allem im ländlichen Bereich wird Pflege nach wie vor häufig im Familienverband geleistet. Für jüngere Generationen mit anderen Familienkonstellationen funktioniert das nicht mehr.“ Hier hält Svoboda eine Kombination aus Lebens- und Pflegeversicherung für zentral. „Ich sehe das auch als Auftrag an die Versicherungswirtschaft für die Bevölkerung und als Entlastung der staatlichen Leistungen. Denn aus der ersten Säule wird man in Zukunft nicht alles finanzieren können.“

Bei der besseren staatlicher Förderung der zweiten und dritten Säule habe man „derzeit noch nichts erreicht“, sagt der VVO-Präsident. „Es mag für viele Regierungen nicht die Nummer-Eins-Priorität sein – dennoch gilt es, dranzubleiben, zu argumentieren und die Gespräche zu suchen. Es wäre schade, wenn es auch bei der nächsten Steuerreform nicht berücksichtigt wird.“

Geringe Chancen für Naturkatastrophen-Deckung

Die Chancen für eine verpflichtende Naturkatastrophen-Versicherung, die der VVO seit Jahren fordert, sieht Svoboda „momentan zwischen null und zehn Prozent“. Die Wettersituation werde immer instabiler und unberechenbarer, irgendwann werde der Katastrophenfonds nicht mehr ausreichen. „Meine Vision ist es, Risikomanagement nicht immer nur in Form von Deckungen zu sehen, sondern auch als Investition in die Infrastruktur – etwa in die Lawinenverbauung, den Hochwasserschutz und den Hagelschutz.“

Was die Regulierung betrifft, so erwarte Svoboda „nicht, dass wir in meiner Zeit als Präsident zig Gesetze abschaffen können“. Viel eher wolle er mit den zuständigen Behörden in einem Gespräch sein, „wo ein Konsens besteht und wir Dinge bewegen können. Das heißt, auf Dinge aufmerksam zu machen, die umständlich sind oder die keinen Sinn ergeben. Das ist ein Weg der kleinen Schritte, der schon begonnen hat und ganz gut funktioniert.“

Das Vorstandsinterview lesen Sie in der nächsten AssCompact-Ausgabe.





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