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Partner(in) als Mitarbeiter? Nicht immer eine gute Idee
07. Februar 2020

Partner(in) als Mitarbeiter? Nicht immer eine gute Idee

Wer seine Partnerin oder seinen Partner im Maklerbetrieb anstellen will, sollte sich zuerst einige kritische Fragen stellen. Das rät Vertriebsprofi Steffen Ritter in der aktuellen AssCompact-Ausgabe.


Von Steffen Ritter

Jetzt wird es schwierig. Stelle niemand ein, den Du nicht auch entlassen kannst! Im Vorfeld sind zumindest einige kritische Fragen angebracht. In meiner Antwort konzentriere ich mich auf die wichtigsten vier Aspekte.

1. Liegt überhaupt Eignung vor?

Entscheidend ist als Ausgangspunkt: Welche Aufgaben in Ihrem Unternehmen haben Sie zu besetzen? Für welche Segmente benötigen Sie personelle Unterstützung? Hieraus können Sie ableiten, welche Schlüsselqualifikationen ein Mitarbeiter mitbringen muss, um bestmöglich Ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Wenn Ihre Partnerin oder Ihr Partner diese Voraussetzungen erfüllt, wäre der erste Haken gesetzt. Gehen Sie genauso kritisch vor wie bei der Einstellung eines „fremden” Mitarbeiters!

2. Gibt es künftig zwei Chefs?

In Bezug auf die weitere Unternehmensentwicklung stellt sich die zweite Frage: Gibt es künftig zwei Inhaber? Oder im Kanzlerdeutsch: Wer hat die Richtlinienkompetenz? Insbesondere bei unterschiedlichen Meinungen, die sich im ständigen Spagat zwischen den betrieblichen Erfordernissen und den privaten Wünschen ergeben, muss für weitere Mitarbeiter eindeutig jemand den Hut aufhaben. Es ist zu klären, ob und in welchen Bereichen Ihr Partner heute oder später Weisungskompetenz bekommt. In der Praxis entstehen – weil nicht durchdacht oder unprofessionell umgesetzt – häufig Klimaverschlechterungen im Maklerbetrieb.

3. Ist eine klare Trennung möglich?

Werden Sie es schaffen, Betriebs- und Privatsphäre zu trennen? Hier bedarf es klarer Absprachen. Die Gefahr ist groß, eventuelle Meinungsverschiedenheiten schnell nach Hause in den gemeinsamen Abend zu übertragen. Oder ebenso schlimm: Selbst beim Abendessen dominieren Themen rund um die Arbeit jedes familiäre Gespräch. Schnell – fast unbemerkt – kann auf diesem Wege der Beruf alles Private auffressen.

4. Identifiziert sich Ihr Partner mit der Branche, mit den Aufgaben, mit Vertrieb?

Ist Ihr Partner begeistert von Ihrer Branche, ist er überzeugt von dem Nutzen, den Sie Ihren Kunden bringen? Kennt er die Bedeutung einer erstklassigen Beratung für Ihre Kunden? Oder will er Sie nur öfter mal sehen? Wird Ihr Partner sich in den neuen Aufgaben wohlfühlen? Oder will er nur „ein bisschen mitarbeiten“, ohne Anspruch an die eigene Leistung?

Nicht aus den falschen Gründen

Viele Makler tendieren zu einer Einstellung von Partnerin oder Partner, um Geld zu sparen oder um die Einstellung eines „Fremden“ zu vermeiden. Hierunter leidet oft die unternehmerische Professionalität. Mit dem „Geld sparen“ ist es auch so eine Sache. Zum einen könnte Ihr Partner – zumindest theoretisch – anderweitig Einnahmen erzielen, insofern geht die Rechnung nie ganz auf. Zum anderen eignet sich nach unseren Erfahrungen der Partner nur in seltenen Fällen exzellent für die anstehenden, tatsächlich VERTRIEBSASSISTIERENDEN Aufgaben des Maklerbetriebs. Wenn die Einstellung eher eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ist, denken Sie besser (gemeinsam) über Alternativen nach! Natürlich gilt analog: Es gibt viele Maklerbetriebe, die herausragende Familienunternehmen entwickelt haben, insbesondere die von gegenseitigem Vertrauen geprägte Zusammenarbeit zwischen den Partnern wird hier zum Erfolgsfaktor. Von diesen Betrieben kann manch anderer in den Bereichen Service, Qualität und Kundennähe noch einiges lernen. So ist eine pauschale Antwort – wie immer – falsch.

Es bleibt das Resümee: Auch wenn Sie mit Ihrem Partner privat die 100% richtige Wahl getroffen haben, es muss deswegen betrieblich nicht genauso sein …





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