Peter Loisel: „InsurTechs gehen Themen an, die unsere Branche bisher nicht gut gelöst hat“

Peter Loisel: „InsurTechs gehen Themen an, die unsere Branche bisher nicht gut gelöst hat“

18. März 2022

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7 Min. Lesezeit

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News-Management & Wissen

Die deutsche Online-Versicherungsplattform Finlex startet mit Dr. Peter Loisel die Internationalisierungs-Offensive in Österreich (AssCompact berichtete). Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview mit dem Geschäftsführer von Finlex Österreich Dr Peter Loisel und dem Founder & Managing Director der Finlex GmbH Sebastian Klapper.

Mag. Peter Kalab

Redakteur/in: Mag. Peter Kalab - Veröffentlicht am 3/18/2022

Herr Dr. Loisel, seit Februar sind Sie ja wieder in Österreich tätig. Warum haben Sie sich für Finlex entschieden und was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Dr. Peter Loisel: Nach meiner Vorstandstätigkeit in der VAV bin ich nun in der deutschen InsurTech-Szene aktiv. Sehr beeindruckt hat mich die Wettbewerbsintensität des deutschen Marktes, in dem ja auch viel mehr ausländische Wettbewerber tätig sind als in Österreich. InsurTechs finde ich besonders spannend, wenn sie echten Mehrwert für die Branche bringen – also z. B. Themen angehen, die unsere Branche bisher nicht wirklich gut gelöst hat. Hier können InsurTechs mit ihren digitalen Skills Revolutionäres schaffen – und genau das interessiert auch die Investoren, die in 2020 weltweit 7,2 Mrd. US-Dollar in InsurTechs investiert haben. Ich habe einige solche InsurTechs kennengelernt und beraten – insbesondere, wenn diese planen, nach Österreich zu expandieren – so wie Finlex.

Herr Klapper, was ist der Mehrwert, den Finlex bietet?

Sebastian Klapper: Finlex ist eines der erfolgreichsten deutschen InsurTechs. Das Geschäftsmodell basiert auf einer voll automatisierten digitalen Plattform für den Gewerbe- und Industriekundenversicherungsmarkt. Im Bereich der Financial Lines können Makler über die Plattform Ausschreibungen völlig digital gleichzeitig an die international führenden Versicherungsunternehmen senden – bei Erfüllung der Smart-Kriterien (z. B. bis 200 Mio. Euro Umsatz in der D&O) erhalten sie in Realtime den Prämienvergleich und nach Auswahl der gewünschten Option dann bis zur Ausfertigung der Polizze. Und nicht nur das, sondern auch unterjährige Geschäftsvorfälle bis hin zur jährlichen Vertragsverlängerung – alles findet auf der Plattform statt.
Die Qualität der Deckungen wird nach dem Finlex-Score verglichen. So kann der Makler dem Kunden die Angebote mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis professionell präsentieren. Versicherungsunternehmen ermöglicht die Plattform ein automatisiertes Underwriting („Robo-Unterwriting“), den digitalen Zugang zu den führenden Maklern des Marktes und liefert ihnen mit Hilfe modernster Analytics wertvolle Erkenntnisse über die Positionierung des eigenen Angebotes im Wettbewerb.

Seit wann ist Finlex aktiv und welche Produkte bieten Sie an?

Sebastian Klapper: Die Plattform wurde 2016 gelauncht und wird heute von 20 internationalen Versicherungsunternehmen und 230 Industrieversicherungsmaklern genutzt. Das Prämienvolumen beträgt derzeit ca. 60 Mio. Euro und wächst rasant. Im Produkt-Fokus stehen D&O-, Cyber-, Strafrechtsschutz-, Vertrauensschaden-, Vermögensschaden-Haftpflicht- und Kapitalmarkttransaktions-Versicherungen.

Dr. Peter Loisel: Die Digitalisierung im Firmengeschäft steckt – in Österreich genauso wie in Deutschland – oft noch in den Kinderschuhen. Finlex revolutioniert die Abwicklungs-Prozesse und bietet damit echten Mehrwert für die Branche. Wir laden alle Makler und Versicherer ein, mit uns gemeinsam einen digitalen Quantensprung in Österreich umzusetzen.

Welche Zielgruppe hat Finlex auf der Kunden- und Vermittler-Seite und ist in Zukunft an einen Ausbau der Produktpalette gedacht?

Sebastian Klapper: Auf der Kundenseite ist das sowohl das KMU-Geschäft, wo Finlex mit dem Realtime-Angebotsvergleich punktet, als auch das Groß-Geschäft. Wir beschäftigen in Summe 100 Mitarbeiter, darunter zahlreiche Voll-Juristen mit Anwaltsprüfung und Experten, die von Maklern auch gerne bei großen Deals mit zum Kunden genommen werden.

Dr. Peter Loisel: Auf der Vermittlerseite passen alle Makler zu uns, die regelmäßig im Firmenkundengeschäft aktiv sind. Wir starten mit den Financial Lines Produkten, das Produktportfolio kann dann stetig erweitert werden.

Wodurch erzielt die Plattform Einnahmen und wie hoch ist die Courtage für die Vermittler bei einer Kooperation mit Finlex?

Sebastian Klapper: Die Plattform übernimmt durch das vollautomatisierte Underwriting, die Dokumentierung, Vertragsbetreuung und Vertragsverlängerungsoptionen viele Funktionen des Versicherers und erhöht damit die Arbeitseffizienz auf beiden Seiten. Zudem bietet der digitale Marktplatz eine lukrative Konzentration der Distributionskanäle für den Versicherer und eine one-shop-Lösung für die Makler. Durch die Übernahme dieser Services hat Finlex eine fair gestaltete Vergütung mit den Anbietern vereinbart. Das rasante Wachstum in Deutschland zeigt, dass diese im Markt gut angenommen wird. Die Weitergabe der Courtage für unsere Kooperationspartner ist je nach Umsatz gestaffelt und wir hören oft, dass diese im Vergleich zu der bisherigen Höhe als ausgesprochen fair bewertet wird.

Gelten zwischen dem Vermittler und dem Versicherer geregelte Sondervereinbarungen auch bei Vermittlung über Finlex?

Dr. Peter Loisel: Ja. Finlex hat mit den Versicherern ein umfangreiches Premium-Deckungskonzept verhandelt, das im Vergleich zu Standardbedingungen der Versicherer viele Vorteile enthält. In Cyber enthält das z. B. die Einschränkung des Vorsatzausschlusses nur auf Repräsentanten, den Verzicht des Versicherers auf eine Kündigung im Schadenfall und auf die Anzeige von Gefahrerhöhungen durch Änderungen der IT-Architektur und die Definition des zeitlichen SB´s als Integral-Franchise.
Sollte ein Makler eigene Deckungskonzept vereinbart haben und hat er entsprechendes Geschäftsvolumen, kann unsere Plattform dieses Deckungskonzept auch als sog. Third Party Produkt voll digitalisieren. Finlex wird übrigens von vielen Maklern auch sehr gerne für die Analyse und Optimierung der gesamten bestehenden Portfolios herangezogen – denn hier bestehen ja erhebliche Haftungs-Risiken. Wir nennen das wie beim Arzt – den Gesundheitscheck!

Foto oben v.l.n.r.: Sebastian Klapper, Founder & Managing Director der Finlex GmbH und Dr Peter Loisel, Geschäftsführer von Finlex Österreich

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