Der österreichische Mittelstand bleibt im Herbst 2025 wirtschaftlich unter Druck. Geschäftsklima, Auftragslage und Investitionsbereitschaft bleiben laut einer aktuellen Untersuchung von Creditreform auf niedrigem Niveau, während die Zahl der Unternehmensinsolvenzen weiter steigt.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 17.12.2025
Die wirtschaftliche Lage des österreichischen Mittelstands bleibt auch im Herbst 2025 angespannt. Nach zwei Jahren Rezession ist weiterhin keine nachhaltige Erholung erkennbar. Das zeigt die aktuelle Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung, die auf einer Befragung von rund 1.400 Unternehmen basiert.
Das Creditreform-Klimabarometer liegt mit minus 8,2 Punkten weiterhin deutlich im negativen Bereich. In allen Hauptwirtschaftsbereichen überwiegt eine skeptische Einschätzung der aktuellen Lage wie auch der kommenden Monate. Eine rasche konjunkturelle Trendwende ist nicht in Sicht. „In allen Wirtschaftssektoren überwiegt eine skeptische Grundhaltung. Eine schnelle Konjunkturerholung ist nicht zu erwarten. Der Mittelstand steckt weiterhin in der Rezession fest“, fasst Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands Creditreform, die Ergebnisse zusammen.
Schwache Auftrags- und Umsatzentwicklung
Die operative Entwicklung bleibt problematisch. 36,8% der befragten Unternehmen meldeten rückläufige Auftragseingänge, während lediglich 12,9% einen Zuwachs verzeichneten. Auch bei den Umsätzen überwiegt das Minus: 34,4% der Betriebe berichteten von Umsatzrückgängen, nur 16,0% erzielten ein Plus. Für das kommende Halbjahr erwarten lediglich 12,2% der Unternehmen steigende Umsätze, während 28,0% mit weiteren Rückgängen rechnen.
Personalabbau und Investitionszurückhaltung
Die schwache Konjunktur wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Knapp 30% der Unternehmen haben in den vergangenen Monaten Personal abgebaut, während nur 10,8% zusätzliche Mitarbeiter eingestellt haben. Neueinstellungen sind auch für die kommenden Monate kaum geplant.
Die Investitionsbereitschaft hat einen historischen Tiefstand erreicht. Nur noch 29,7% der Unternehmen planen Investitionen. Dabei handelt es sich überwiegend um Ersatzinvestitionen; Erweiterungsinvestitionen werden vielfach zurückgestellt. Als Hauptgrund nennt Creditreform die unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Insolvenzen: Versicherungs- und Kreditbranche besonders betroffen
Besonders markant ist die Entwicklung bei den Unternehmensinsolvenzen. In den ersten drei Quartalen 2025 wurden österreichweit 5.296 Insolvenzen registriert, was einem Anstieg von 7,4% gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Auffällig ist vor allem der starke Zuwachs im Kredit- und Versicherungswesen. In diesem Bereich stieg die Zahl der Insolvenzen um 48,4% und damit deutlich stärker als in allen anderen untersuchten Branchen. Auch bei unternehmensnahen Dienstleistungen verzeichnet Creditreform einen kräftigen Anstieg von 19,7%. Demgegenüber gingen die Insolvenzzahlen im Baugewerbe sowie im Beherbergungs- und Gaststättenwesen erstmals wieder zurück.
Erträge unter Druck, Eigenkapitalquote sinkt
Die Ertragslage bleibt angespannt. Nur 10,8% der Unternehmen berichteten von steigenden Erträgen, während 42,3% Rückgänge hinnehmen mussten. Besonders schwierig ist die Situation im Baugewerbe und im Handel.
Gleichzeitig nimmt die Eigenkapitalschwäche zu. 19,7% der Unternehmen verfügen über eine Eigenkapitalquote von unter 10% – der höchste Wert seit mehreren Jahren. Besonders hoch ist der Anteil eigenkapitalschwacher Betriebe im Dienstleistungssektor.
Kritische Einschätzung der Wirtschaftspolitik
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen bewertet die aktuelle Wirtschaftspolitik kritisch. Als zentrale Herausforderungen werden Bürokratie, Inflation und hohe Energiepreise genannt. Diese Faktoren belasten laut Creditreform die wirtschaftliche Entwicklung des Mittelstands zusätzlich.
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