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Altersvorsorge: Staat hat in Österreich europaweit größte Rolle

Altersvorsorge: Staat hat in Österreich europaweit größte Rolle

21. November 2017

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4 Min. Lesezeit

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News-Im Blickpunkt

In Österreich spielt der Staat bei der Altersvorsorge eine größere Rolle als in anderen europäischen Ländern. Drei Viertel des Konsums im Alter werden durch staatliche Transfers finanziert, zeigt ein internationales Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse bei einer Konferenz in Wien präsentiert wurden.

Mag. Peter Kalab

Redakteur/in: Mag. Peter Kalab - Veröffentlicht am 11/21/2017

In dem Projekt AGENTA („Ageing Europe: An Application of National Transfer Accounts for Explaining and Projecting Trends in Public Finances“) wurden staatliche Transfers im Zusammenhang mit demographischen Änderungen analysiert. Beteiligt waren neben dem Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) auch Institutionen aus Großbritannien, Schweden, Frankreich, Spanien, Polen, Ungarn und Slowenien.

Die Forscher untersuchten altersspezifisch Einkommen und Konsum sowie ökonomische Transfers zwischen Generationen und Altersgruppen in 25 europäischen Ländern. Zu den wichtigsten Transfers zwischen Generationen zählen Leistungen, die Eltern für ihre Kinder erbringen, staatliche Pensionen sowie Leistungen des Gesundheits- und Bildungssystems. Um diese zu erfassen, wurden ökonomische und demographische Daten verknüpft und sogenannte „Nationale Transferkonten“ für die einzelnen Länder erstellt.

25– bis 60-Jährige erbringen die meisten Transferleistungen

Erstmals wurden dabei neben staatlichen auch private Transfers berücksichtigt: Geld- und Sachleistungen wie Wohnen und Essen, aber auch im Haushalt durch unbezahlte Arbeit erstellte Dienstleistungen wie Kinderbetreuung, Pflege, Kochen und Reinigung. Die Analyse zeigt, dass die Bevölkerung zwischen 25 und 60 Jahren den größten Teil der gesamten Transferleistungen erbringt – sowohl jene zu Kindern als auch zu Älteren.

Wenig private Vorsorge in Österreich

Ermittelt wurde auch, wie die Differenz zwischen Konsum und Arbeitseinkommen im Alter – das sogenannte „Lebenszyklus-Defizit“ – durch staatliche Transfers und vermögensbasierte Altersvorsorge finanziert wird. In Österreich ist dabei der Anteil staatlicher Zuwendungen europaweit am höchsten. Hierzulande werden drei Viertel des Konsums im Alter durch staatliche Transfers finanziert. In Großbritannien oder Deutschland funktioniert die Altersvorsorge stärker über Vermögensbildung – etwa über private und betriebliche Ansparsysteme für die Pensionen sowie private Ersparnisse bzw. Veranlagungen. In den beiden Ländern wird über die Hälfte des Konsums im Alter durch vermögensbasierte Altersvorsorge finanziert.

In Österreich setzt man in geringerem Ausmaß auf eigene Vermögensbildung zur Vorsorge. Die Folge laut Studie: Durch die zentrale Rolle bei der Altersvorsorge seien die Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf das staatliche Transfersystem in Österreich gravierender als etwa in Großbritannien.

Anpassungen staatlicher Zuschüsse erforderlich 

Die demographischen Veränderungen erfordern laut Studie Anpassungen in den staatlichen Transferleistungen. Manche Länder hätten diese schon vorgenommen. „In Schweden liegt das Pensionsalter im Schnitt fünf Jahre über dem Antrittsalter in den anderen europäischen Ländern“, sagt der Bevölkerungsökonom Bernhard Hammer vom Institut für Demographie der ÖAW. In den skandinavischen Ländern und einigen postkommunistischen Staaten werde die Auswirkung der Bevölkerungsalterung auch durch die gute Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt abgefedert. Besonders herausstechen würde in dieser Hinsicht Slowenien.

Slowenien: höhere Erwerbstätigkeit von Frauen, niedriges Pensionsalter 

Maßnahmen zur Absicherung staatlicher Transferleistungen hätten jedoch auch Auswirkungen auf das private Transfersystem, schließlich werden staatliche und private Transfers von derselben Bevölkerungsgruppe geleistet. So müsste im Gegenzug zur höheren Erwerbstätigkeit von Frauen die Kinderbetreuung anders gestaltet und mehr Betreuungseinrichtungen für Kinder geschaffen werden. „In Slowenien wird dies durch das niedrigere Pensionsalter abgefedert“, so Hammer. Dadurch hätten ältere Menschen, meistens die Großeltern, Zeit, sich an der Kinderbetreuung zu beteiligen.

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