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Wie autonomes Fahren die Kfz-Versicherung verändert
26. Februar 2019

Wie autonomes Fahren die Kfz-Versicherung verändert

Im Jahr 2035 werden laut einer Studie des Beratungsunternehmens Accenture zehn Prozent der Fahrzeuge in den USA selbst fahren – das sind nach aktuellem Stand etwa 23 Millionen. Welche Auswirkungen hat dieser Trend auf die Kfz-Versicherung?


Von Mag. Markus Waghubinger, Redakteur AssCompact und Gründer der finothek GmbH*

Derzeit befinden wir uns auf Stufe 2 der fünf Stufen des autonomen Fahrens: Bremsassistenten und Spurassistenten sind bereits üblich bei Neuwagen und helfen, Unaufmerksamkeiten des Fahrers zu kompensieren, oder parken automatisch selbst ein. Mit Stufe 5, wo ein Fahrzeug komplett selbständig fährt und ein Eingriff des Menschen nicht mehr vorgesehen ist, rechnen die meisten Experten in etwa 10 Jahren. Schon jetzt sind autonome Fahrzeuge in der Testphase statistisch gesehen sicherer unterwegs als menschliche Autofahrer. Sind im Jahr 2014 noch 1,25 Mio. Menschen weltweit im Straßenverkehr ums Leben gekommen, kann man von einem deutlichen Rückgang der Todesfälle, aber auch der Unfälle insgesamt, durch eine vollständige Abdeckung durch selbstfahrende Fahrzeuge ausgehen. In Österreich beispielsweise ist die Anzahl der Verkehrstoten von den 60er Jahren bis heute um 75% zurückgegangen.

Mit der sinkenden Anzahl von Schäden sinkt auch das Prämienvolumen der Versicherungsgesellschaften. Warren Buffett, Starinvestor aus den USA, hat dazu 2018 gesagt: „Wenn durch selbstfahrende Autos Unfälle um 30%, 40% oder sogar 50% zurückgehen, werden wir uns als Gesellschaft freuen, aber Versicherungsgesellschaften werden das wohl nicht feiern können, denn das Prämienvolumen wird drastisch zurückgehen.“

Kommt das Ende der Kfz-Versicherung?

Gehen die erwarteten Schäden zurück, geht zumindest das Prämienvolumen zurück, aber auch ein neues Besitzverhalten wird die Kfz-Versicherung verändern. Ob es nun dazu führt, dass Uber und Co über Flotten verfügen, die gesamthaft versichert werden, oder die ersten Besitzer von selbstfahrenden Fahrzeugen ihre Autos mit ihrem Freundeskreis teilen und somit Mikroversicherungen für eine Fahrt notwendig werden oder ein Schaden zur Produkthaftungsfrage des Herstellers wird, wird die Zukunft zeigen. Die Versicherung von Kraftfahrzeugen verändert es aber jedenfalls.

Wie in jedem Prozess der Veränderung hat der Platzhirsch immer die besten Chancen zu profitieren, wenn er denn zu Veränderung in der Lage ist. Eines Tages werden wir neue Produkte im Kfz-Bereich vorfinden, wie beispielsweise automatisierte Pannen-Assistance, Reparaturversicherungen für Fahrzeugvermieter, flexible Nutzungspakete für Fahrzeuge, Schutz vor Hacking bei Fahrzeugen oder eine Lebensversicherung für von Fahrzeugen bewusst getötete Menschen. Halt: Versicherung für bewusst getötete Menschen? Das hört sich natürlich hart an, aber die schwierigsten Entscheidungen betreffend selbstfahrender Autos sind nicht technischer, sondern moralischer Natur.

Wie soll die Software entscheiden, wenn geradeaus der sichere Tod des Fahrers wartet, links eine Frau mit Kindern geht und rechts ein älterer Herr steht? Welche Entscheidung soll die Software treffen? Welches Leben ist am meisten schützenswert? Allein die Fragestellung ist für die meisten wahrscheinlich schon schwer zu verdauen, aber genau solche Fragen sind zu beantworten, wenn es darum geht, Entscheidungslogiken zu programmieren. Etwaige Ersatzansprüche gegen den Halter oder Produzenten erfordern ebenfalls speziellen Versicherungsschutz.

Versicherer müssen sich an neue Lebensrealität anpassen

Egal, welche neuen Versicherungs- oder versicherungsähnlichen Produkte in einem solchen Umfeld notwendig werden, so sind es die Versicherungsgesellschaften, die den einfachsten und glaubwürdigsten Marktzugang als Lösungsanbieter haben, wenn sie denn in der Lage sind, ihr Kerngeschäft an eine neue Lebensrealität anzupassen. Denn während sie selbst Einschnitte verkraften müssen, warten Tech-Unternehmen nur darauf, endlich ihr Stück des Kuchens abzubekommen. Für erste Schritte muss man nicht bis ins Jahr 2030 warten, ein stärkerer Fokus auf Sensor-gestützte Assistance-Leistungen wird auch heute schon vielen Kunden das Leben erleichtern.

*Der Artikel erscheint in voller Länge in der AssCompact März-Ausgabe.





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