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Weniger ist mehr – konzentriertes Investment in Qualitätswachstumsaktien
29. Januar 2019

Weniger ist mehr – konzentriertes Investment in Qualitätswachstumsaktien

Verschiedene Investmentstile zeigen je nach Konjunktur und Marktmfeld ihre besonderen Stärken. Warum sich das konzentrierte Investment in Qualitätswachstumsaktien bewährt, erklärt Wolfgang Fickus von Comgest in einem Gastkommentar.


Von Wolfgang Fickus, Mitglied des Investmentkomitees bei der Fondsverwaltungsgesellschaft Comgest

Das konzentrierte Investment in Qualitätswachstumsaktien, wie es Comgest betreibt, ist ein Anlagestil, der seine Überlegenheit über die vergangenen 30 Jahre langfristig und bei kontrollierter Volatilität über alle Markt- und Konjunkturphasen hinweg sowie in unterschiedlichen regionalen Märkten unter Beweis gestellt hat. Der wichtigste Kurstreiber einer Aktie ist nach diesem Ansatz das langfristige Gewinnwachstum. Der Anlagestil konzentriert sich auf Wachstumstrends, die auf unternehmensspezifischen Stärken und Fähigkeiten beruhen. Zyklische und konjunkturelle Faktoren, wie etwa die Prognosen des weltweiten Wirtschaftswachstums, spielen hierbei keine Rolle. Dagegen zählen Innovationskraft oder geografische Expansion eines Unternehmens, denn solche Faktoren sind bei genauer Kenntnis der Unternehmen gut vorhersehbar und damit einschätzbar. 

Langfristiger Horizont

Wichtigstes äußeres Merkmal solcher Qualitätsunternehmen ist, dass sie ihre Gewinnprognosen konsequent realisieren. Ein entscheidender Unterschied zu anderen Investmentstilen liegt dabei im betrachteten Zeithorizont. Denn während der Kapitalmarkt häufig nur kurze Perioden von zwei bis drei Jahren berücksichtigt, besteht bei Unternehmen, die über längere Zeiträume ein hohes Gewinnwachstum aufweisen, langfristiges Wertsteigerungspotenzial. Um dieses zu heben, ist als Investor ein entsprechend langfristiges Engagement von fünf bis zehn Jahren notwendig. In der Praxis funktioniert dieser Ansatz vor allem dann, wenn die Langfristigkeit integraler Teil der Firmenphilosophie des Investors ist und Portfoliomanager und Analysten entsprechend incentiviert werden.

Robuste Geschäftsmodelle und Nachhaltigkeit

Aber was macht Unternehmen mit einem langfristigen und vorhersehbaren Gewinnwachstum aus? Zunächst zeichnen sie sich durch robuste Geschäftsmodelle aus. Auch Umwelt-, Sozial- und Corporate-Governance-Aspekte haben maßgeblichen Einfluss auf den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. Ein Unternehmen, das fair mit Umwelt, Mitarbeitern und Zulieferern umgeht und von einem kompetenten, unabhängigen und kritischen Aufsichtsrat kontrolliert wird, reduziert Risiken. Ein fokussierter Investmentprozess, der Nachhaltigkeitskriterien von vornherein integriert, profitiert von diesem Faktor. Wir bei Comgest bezeichnen uns deshalb als „ESG-Native“, da Nachhaltigkeit immer Bestandteil der Franchise unserer Portfoliounternehmen war.

Da wir die Unternehmen, in die wir investieren, sehr genau kennen, können wir sehr konzentrierte Portfolios aufbauen, ohne die Risiken zu erhöhen. Studien zeigen, dass konzentrierte Portfolios aus 15 Aktien eine ausreichende Risikostreuung und optimale Risiko-Rendite-Profile bieten. Im Vergleich dazu neigen größere Portfolios dazu, starke Ideen zur Aktienauswahl zu verwässern, ohne das Risikoprofil des Portfolios zu verbessern.

Wachstum, Risiko und Bewertung

Die Bewertung bei der Aktienauswahl spielt noch immer eine wichtige Rolle. Jedes Unternehmen zeichnet sich durch eine einmalige Kombination der Variablen Wachstum, Risiko und Bewertung aus. Bei Entscheidungen zum Portfolioaufbau sucht der Portfoliomanager den optimalen Mix dieser Variablen. Es darf jedoch nicht dazu kommen, dass die Bewertungsdisziplin Portfolioentscheidungen eindimensional diktiert. Nur unter Berücksichtigung der Qualität eines Unternehmens und seines langfristigen Wachstumspfads sind Bewertungen wirklich aussagekräftig. 

Der Autor

Wolfgang Fickus absolvierte ein Studium der Betriebswirtschaftslehre (Diplom-Kaufmann) an der Universität in Köln und studierte an der London Business School. Er besitzt einen CEMS Master in internationalem Management und ist Chartered Financial Analyst (CFA). Der Finanzexperte begann seine Karriere 1995 bei Paribas Asset Management in Paris im Fondsmanagement für europäische Aktien und wechselte im Jahr 2000 zur WestLB. Dort analysierte er deutsche und europäische Aktien im Technologie-Sektor bevor er ab 2005 das Mid- und Small-Cap Research leitete. Im September 2012 kam Fickus zu Comgest und ist Mitglied des Investment-Komitees. 





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