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Warum hohe Solvenzquoten ein Zeichen für Verlässlichkeit sind
14. September 2018

Warum hohe Solvenzquoten ein Zeichen für Verlässlichkeit sind

Versicherern mit einer hohen Solvenzquote wird mitunter unterstellt, ineffizient zu agieren und ihren Kunden gar Gewinne vorzuenthalten. Warum eine hohe Solvenzquote überhaupt erst eine effiziente Unternehmenspolitik möglich macht, verdeutlicht Dr. Klaus Math, Vorstand der LV 1871 für Produkte, Versicherungstechnik und IT, in einem Kommentar.


von Dr. Klaus Math

Hohe Solvenzquote gleich ineffiziente Unternehmenspolitik: Das war in letzter Zeit oftmals zu lesen – verbunden mit dem Vorwurf, dass Versicherer mit einer hohen Solvenzquote zu wenige Chancen für ihre Kunden generieren oder ihnen gar Gewinne vorenthalten. Das Gegenteil ist der Fall: Eine hohe Solvenzquote ist ein Zeichen für Verlässlichkeit und ermöglicht erst eine effiziente und chancenorientierte Unternehmenspolitik, die auf die langfristige Wahrung der Versicherteninteressen ausgerichtet ist.

Die Solvenzquote ist keine beliebige Kennzahl, sondern das offizielle Maß für die Beurteilung der Finanzstärke und Risikosituation eines Versicherungsunternehmens. Solvency II leistet einen wichtigen Beitrag zur realistischen Beurteilung der Situation eines Unternehmens und zur (internationalen) Vergleichbarkeit. Auch wenn es, wie bei jedem Bewertungsmodell, Kritikpunkte gibt, so bildet Solvency II insbesondere die zukünftigen Verpflichtungen eines Unternehmens gegenüber seinen Kunden besser ab als das Vorgängermodell. Wer sich an aktuellen Solvenzquoten von 400% und mehr (ohne Übergangs- und Hilfsmaßnahmen) stört, sollte sich vergegenwärtigen, dass bei einem Zinsrückgang von einem Prozentpunkt (100 Basispunkte) – je nach Unternehmensausrichtung – schnell 100 Prozentpunkte und mehr an Solvenzquote verloren werden können. Dies lässt selbst Solvenzquoten von 200% nicht unbedingt komfortabel erscheinen.

Gute Solvenzquote setzt gemachte Hausaufgaben voraus

Wichtig ist auch, zu wissen, welche Faktoren die Solvenzquote beeinflussen. Das sind vor allem die Höhe der (finanziellen) Eigenmittel und die aktuelle Geschäfts- und Risikosituation. Neben den klassischen Eigenmitteln werden dabei auch Bewertungsreserven auf Kapitalanlagen berücksichtigt. Wer als Lebensversicherer im Niedrigzinsumfeld eine hohe Solvenzquote erreicht, der muss seine Hausaufgaben gemacht haben: Dazu zählen der vorausschauende Aufbau ausreichender Eigenmittel, die aktive Geschäfts- und Risikodiversifikation, beispielsweise durch einen signifikanten Anteil an Berufsunfähigkeitsversicherungen, ebenso wie der Aufbau einer angemessenen und ertragreichen Kapitalanlage.

Versicherer mit einer hohen Solvenzquote können im Interesse ihrer Versicherten Risiken besser absorbieren, sie können gleichzeitig aber auch mehr investieren – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der digitalen Transformation von Geschäftsmodellen ein wichtiger Faktor. Sie besitzen am Kapitalmarkt größere Handlungsspielräume, die gerade im Niedrigzinsumfeld einen klaren Mehrwert für ihren Kunden darstellen. Ohne eine vorausschauende und effiziente Unternehmenspolitik würde es diese Spielräume nicht geben. Spielräume, die die langfristige Handlungs- und Zahlungsfähigkeit von Versicherern auch in Krisenphasen sicherstellen.

Drei Kernkriterien: Solvenzquote, Überschussbeteiligung und Beitragsentwicklung

Gerade bei Lebensversicherungsprodukten ist für den Kunden vor allem die langfristige Erfüllung der Vertragsversprechen entscheidend. Hier stellt eine hohe Solvenzquote sicher, dass sich der Kunde auch langfristig auf den Vertragspartner verlassen kann.

Die vermeintliche Ineffizienz eines Lebensversicherungsunternehmens mit hoher Solvenzquote aus Kundenperspektive kann leicht durch die Kombination von zwei Fragen widerlegt werden: Bietet das Unternehmen (aktuell) eine überdurchschnittliche Überschussbeteiligung bzw. Rendite bei kapitalbildenden Altersvorsorgeverträgen? Und bietet es bei vergleichbarer Leistung günstige Beiträge bei der Todesfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung? Wenn diese besonders wichtigen Mehrwerte für den Kunden erfüllt sind, kann nicht von einer Benachteiligung zu Gunsten einer hohen Solvenzquote gesprochen werden. Dann handelt der Versicherer auch kurz- und mittelfristig effizient und im Interesse seiner Versicherten.

Eine einfache Regel für Vermittler kann lauten: Hohe Solvenzquote + überdurchschnittliche Überschussbeteiligung/Rendite + im Vergleich stabil günstige Beiträge = guter Versicherungspartner. Und Vermittler haben im System Lebensversicherung eine ganz entscheidende Rolle. Sie sind gefragt, diese Sachverhalte zu bewerten und zu vermitteln. Das können unabhängige Vermittler am besten, die nicht per se – ungeachtet der jeweiligen Solvenzsituation – an einen Anbieter „gekettet“ sind.

Solvenzquote als Auswahlkriterium

Dem Auswahlkriterium „Solvenzquote“ kommt dabei eine enorme Bedeutung zu. Das zeigen nicht zuletzt Fälle von Run-off oder Gesellschaften mit Beitragserhöhungen bei Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungen. Zudem hat die BaFin wegen einer niedrigen Solvenzquote bereits ein Drittel der Lebensversicherer nach eigenen Aussagen unter besondere Beobachtung genommen, was beispielsweise dazu führen kann, dass unmittelbar in die Überschuss- oder Kapitalanlagepolitik dieser Versicherer eingegriffen wird – im Regelfall auf Kosten der Kunden.

Kunden, die eine lebenslange Altersvorsorge aufbauen wollen und die existenziellen Lebensrisiken, wie den Todesfall oder die Berufsunfähigkeit, langfristig stabil zu einem günstigen Beitrag absichern wollen, sind bei einem Unternehmen mit hoher Solvenzquote besser geschützt. Denn diese Unternehmen arbeiten effizient und nachhaltig.

Quelle: AssCompact Deutschland





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