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Neue Typen in der Versicherung: Weniger Krawatten, mehr Sneakers
08. März 2019

Neue Typen in der Versicherung: Weniger Krawatten, mehr Sneakers

Der Versicherungsbranche mangelt es an Nachwuchskräften. Doch mit alten Methoden lassen sich junge Leute nicht mehr für ein Unternehmen begeistern. Personalverantwortliche müssen umdenken und können sich dabei ein Beispiel an InsurTechs nehmen, meint der Karrierespezialist Hans Steup.


Von Hans Steup*

Wenn Sie Mitarbeiter suchen und sich dabei sehr viel mehr anstrengen müssen als noch vor Jahren, kann das einen einfachen Grund haben: Sie hängen an der Vergangenheit. Sie blicken zurück auf goldene Zeiten und sind gefangen in der Endlosschleife ihrer schönen Erinnerungen. Sie nehmen die alten Methoden und Krawatten von früher und versuchen, neue Leute von heute zu begeistern.

Was müssen Sie heute anders machen, um junge Leute für Ihr Unternehmen zu begeistern? Nehmen Sie sich ein Beispiel an den InsurTechs. Das sind junge Unternehmen in der Versicherungsbranche mit frischen Ideen, einem hohen Maß an Energie (und Testosteron) und dem unbedingten Willen, etwas zu verändern. Wie funktioniert so ein InsurTech? Schauen wir doch mal, wie Sie ticken müssen, wenn Sie bei einem InsurTech arbeiten wollen.

Die Grundhaltung: Das Mindset

Die Grundhaltung bei einem InsurTech ist die Denkweise eines Start-ups. Sie unterscheidet sich erheblich von der Denkweise bei etablierten Versicherungen und Vermittlerbüros. Es geht um Leistung, nicht um Hierarchie. Es geht darum, gemeinsam etwas zu schaffen und dabei gut zu sein. Es geht nicht darum, woher Sie kommen oder was Sie vorher gemacht haben. Es geht nur darum, wohin Sie wollen. Im Start-up-Denken geht es weniger um Zuständigkeiten und etablierte Rollen. Es geht darum, dass jemand tut, was nötig ist, um die Dinge zu erledigen, die gerade anstehen. Bitte lieber einmal um Entschuldigung, als hundertmal um Erlaubnis. Seien Sie kreativ. Fehler sind erlaubt. Das ist der Auftrag. Nicht ständig den Chef fragen (manche Chefs brauchen das, schnell weg da). Es geht nicht nur darum, Geld zu verdienen. Es geht darum, gemeinsam an einer Idee zu arbeiten und diese Idee Realität werden zu lassen.

Denken wie ein Eigentümer

Die meisten Unternehmen verlassen sich bei der Anstellung von Mitarbeitern auf deren Kenntnisse und Fähigkeiten aus der Vergangenheit. Sie bestehen auf Zeugnisse und einem Lebenslauf, den sie dann mit ihrem Anforderungskatalog abgleichen. So kann sich der Personaler gut rausreden, wenn er jemanden einstellt, der zwar nichts gebacken kriegt, dessen Lebenslauf aber fehlerfrei und mit in fett geschriebenen Überschriften daher kam und perfekt auf die Aufgaben passte, für die er zuständig ist. Ein Start-up versteht sich als ein Team, das ständig alles verbessert. Produkte, Dienstleistungen, Kundendienst, Webseite und vieles mehr.

Anpassung an den Wandel

Bei einem Start-up ändern sich Dinge oft schneller, als allen lieb ist. Es gibt keinen Fünfjahresplan, den Sie abarbeiten und fertig. Sie müssen für neue Gelegenheiten offen sein. Wenn plötzlich ein Kunde vor der Tür steht, wenn neue Technologien kommen oder eine potenzielle Partnerschaft mit einem großen Unternehmen entsteht, müssen Sie zugreifen. Wenn Dinge sich schnell ändern oder plötzlich mehr zu tun ist, als sie bewältigen können, müssen Sie nicht alles alleine machen. Geben Sie etwas ab an Dienstleister, lassen Sie sich von anderen helfen. Oder sagen Sie manchmal auch einfach nein. Wenn das Chaos nach außen tritt, leben sie mit der Häme der etablierten Unternehmen. Einige von denen machen Ihnen, wenn es später läuft, ein großzügiges Angebot. Was diese jungen Teams zusammenhält, ist das Verständnis dafür, dass mit schnellem Wachstum auch Veränderungen kommen. Passen Sie sich an, lernen Sie, und arbeiten Sie gemeinsam daran, pragmatische Lösung zu finden.

Krawatten UND Sneakers

Wenn wir ehrlich sind, brauchen Sie in einem Start-up eine hohe Frustrationstoleranz. Resilienz. Die Dinge entwickeln sich nicht immer so, wie sie sich das ausgemalt haben. Manche Mitstreiter halten die Geschwindigkeit und den steten Wandel nicht aus. Von außen kommt Kritik von Leuten, die alles besser wissen. Vor allem, dass das, was Sie tun, nicht funktionieren kann. Was wir in den großen und etablierten Unternehmen brauchen, sind Senioren, die Bock haben auf Neues. Die wohlwollend auf die jungen Wilden zu gehen, und ehrlich Unterstützung anbieten. Wenn wir es schaffen, mehr mit einander zu arbeiten, anstatt gegen einander, finden wir auch wieder junge Leute, die sich für unsere Branche begeistern können. Los geht’s...

*Quelle: AssCompact Deutschland; gekürzte Fassung





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