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Crowd-Token: Neue Finanzierungsform für den Mittelstand
06. Juli 2018

Crowd-Token: Neue Finanzierungsform für den Mittelstand

Mittelständler und Startups beklagen besonders seit der Finanzkrise erschwerten Zugang zu Fremdkapital. Crowdinvesting könnte diese Lücke schließen. Obwohl die Finanzierungsform in Österreich auf reges Interesse stößt, bewegen sich die Volumina bis dato noch in einer überschaubaren Größenordnung.


Manche mögen sich noch an den „Waldviertler-Skandal“ um den „Finanzrebell“ Heinrich Staudinger erinnern, der im Grunde nichts anderes wollte als sein Unternehmen statt über Banken durch seine Kunden zu finanzieren. Jahrelang lag er mit der FMA im Clinch, die sein Modell der Unternehmensfinanzierung mit Kleinkrediten als illegales Bankgeschäft einstufte. „In Zukunft ist das wohl weniger ein rebellischer Akt, sondern eine salonfähige Entscheidung eines Mittelständlers“, meint Mag. Markus Waghubinger, AssCompact Investment & Finanzen.

Die „Börse“ der Startups und Mittelständler

„Crowdinvesting“ nennt man diese Finanzierungsform heute, die natürlich – anders als vor wenigen Jahren – standardisiert und reglementiert ist. Crowdinvesting ist für Startups und Mittelstandsbetriebe gewissermaßen das, was der börsliche Kapitalmarkt für Großunternehmen ist: eine Möglichkeit der Finanzierung durch eine Vielzahl von Investoren, statt sich in die Abhängigkeit einzelner Kapitalgeber zu begeben. Der Finanzierungsbetrag wird nicht von wenigen Großinvestoren, sondern vielen kleinen Investoren aufgebracht und bietet umgekehrt Anlegern eine selbstbestimmte Investmentmöglichkeit.

Mit wenigen hundert Euro kann ein Unternehmen direkt finanziert werden und schon mit wenigen tausenden Euro eine breite Streuung erreicht werden. „Leider bisweilen nur in der Theorie“, so Waghubinger. „In der Praxis gibt es aktuell wenige Crowdinvesting-Projekte auf verschiedenen, nicht kompatiblen Plattformen, weswegen oft keine ausreichende Anzahl von interessanten Projekten für ein breites Portfolio gefunden werden kann.“ Zudem seien Finanzierungsinstrumente während der Laufzeit nicht handelbar und meist nur in der Form eines Nachrangdarlehens ausgestaltet. Das möchte CRWD Netzwerk mit den sogenannten „Tokenized Assets“ ändern und hat dafür einen europäischen Standard für Crowdinvesting auf der Blockchain geschaffen.

„Token“ – neue Form der Verbriefung

Alle Arten von Beteiligungs- und Finanzierungsinstrumenten können in Token-Form emittiert und übertragen werden. Besonders gängig war bislang bei der Ausgabe der sogenannte „Utility Token“, der keinen Pendant am klassischen Finanzierungsmarkt kennt, dieser stellt eine Art digitales Recht für den Bezug von produzierten Gütern oder Dienstleistungen dar. Wird diese Form gewählt, hat das Unternehmen nicht länger den Anreiz, nach dem Shareholder-Value-Prinzip zu handeln, sondern nach einem Consumer-Value-Prinzip. „Denn der Finanzier, der ein Bezugsrecht am Produkt statt ein Recht auf Dividende hat, fordert nicht die niedrigsten Kosten und höchsten Erträge, sondern das beste und innovativste Produkt.“

Die Blockchain-Technologie schafft die Grundlage, damit Investoren und Unternehmen direkt miteinander Verträge schließen können und dabei sämtliche Parameter transparent und fälschungssicher gespeichert werden. Besonders bei jüngeren Anlegern erfreuen sich Token immer größerer Beliebtheit. Momentan könne das große Interesse an Krypto-Token laut Waghubinger nur auf die praktische Funktionsweise des Handels zurückgeführt werden, denn die meisten der Erstausgaben neuer Token repräsentieren gar keinen echten Wert und seien damit wenig attraktiv. Crowd-Token repräsentieren hingegen einen echten Wert und zwar den des Finanzierungsinstruments und sind genau nach den gleichen Gesichtspunkten wie Crowdinvesting mit analogen Verträgen zu beurteilen. „Der Krypto-Markt ist bereits hochliquide und kann damit dem Crowdinvesting endgültig zum Durchbruch verhelfen.“

Zu beachten ist, dass bei einer jungen Finanzierungsform Risiken anfangs noch weniger adäquat beurteilt werden können und Anspruchsrechte aus einem Token weniger einfach zu erheben sind als bei Wertpapieren. „Das sind jedoch typische Anfangsthemen, die sich im Laufe der Zeit klären werden.“

„Noch in den Kinderschuhen“

„Natürlich steckt der Gedanke noch in den Kinderschuhen und es ist durchaus plausibel, dass speziell in der Anfangsphase Ausfälle von Token-Emittenten zu Verunsicherung der Anleger führen könnten“, so Waghubinger. „Die Finanzierungsform als solche stellt aber ein innovatives neues Instrument dar, das schrittweise durch Werkzeuge des traditionellen Kapitalmarkts wie Ratings, Sorgfaltsprüfungen, Investmentfonds und vor allem Beratungs-Know-How ergänzt werden muss.“ Auch daran werde aber gearbeitet, und der unabhängige Finanzvertrieb tue gut daran, sich mit diesem Themenfeld zu beschäftigen. So könne er seinen Kunden echte Investitions- und Finanzierungsinnovation als USP gegenüber anderen Anbietern liefern.

Den gesamten Artikel von Mag. Markus Waghubinger lesen Sie in der AssCompact Juli-Ausgabe.





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