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„Kunde wird auch in zehn Jahren eine Kfz-Haftpflicht brauchen“
04. März 2019

„Kunde wird auch in zehn Jahren eine Kfz-Haftpflicht brauchen“

Online-Abschlüsse, verändertes Mobilitätsverhalten, autonomes Fahren – die Kfz-Sparte ist in starkem Wandel. Wie Versicherer darauf reagieren und ob gängige Produkte bald überflüssig werden, wollte AssCompact von drei namhaften Branchenvertretern wissen.


Besonders die Kfz-Haftpflichtversicherung mit ihren gesetzlich weitgehend festgelegten Leistungen sei eine Art „Türöffner“ für Vergleichsportale, meint Wenzel Staub, MBA, Vorstandsvorsitzender des muki Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit. „Die Kunden müssen sich dort bewusst machen, dass sie einen Preisvergleich nach im Wesentlichen standardisierten Merkmalen erhalten und eventuell gewünschte Erweiterungen und Beschränkungen selbst zu recherchieren sind. Dann ist ein Vergleichsportal ein nützliches Werkzeug.“ Eine „gewisse Gefahr“ sieht er für den Versicherer, der online ausgefüllte Fragebögen schlechter überprüfen könne als Antworten im persönlichen Gespräch.

Online-Plattform können beim Service nicht mithalten

Das Vertrauen der Kunden in einen Berater sei größer als in eine Internetplattform, betont Mag. Sergius Kahr, Leiter der Abteilung Motor/Rechtsschutz der Generali Versicherung AG. „Die Services, die ein Betreuer seinen Kunden bietet, können über keine Onlineplattform dargestellt werden. Dies beginnt bei der Beratung der Produkte, setzt sich bei den Anmeldeformalitäten fort und endet bei der Betreuung im Schadenfall.“

Im Schadenfall persönlicher Ansprechpartner

„Es muss jedenfalls unterschieden werden, ob der Kunde eine simple Kfz-Haftpflichtversicherung benötigt und diese vergleicht oder ob noch ein Wunsch nach Kaskodeckung besteht“, sagt Doris Schiebel, Abteilungsleiterin Fach-Privat bei der HDI Versicherung AG. Bei der Haftpflicht sei die Abschlussquote eine wesentlich höhere als bei kombinierten Sparten. „Dies liegt daran, dass ein Produktvergleich ‚KH mit Kasko‘ zwar gut aufgeschlüsselt, übersichtlich, aber auch sehr umfassend ist und daher der Kunde doch lieber Rat und Informationen beim Vermittler oder in unseren Kundenbüros einholt“, so Schiebel. „Auch stellen wir fest, dass die Kunden im Schadenfall gerne eine Ansprechperson haben, die bei der Abwicklung unterstützt. Ein unabhängiger Vermittler ist dafür die am besten geeignete Stelle.“

„Grundsätzliches Geschäftsmodell“ werde sich nicht ändern

Stichwort „Autonomes Fahren“: Werden Kunden in Zukunft überhaupt noch heute gängige Kfz-Versicherungen brauchen? „Auch wenn einzelne Aspekte wie beispielsweise die Fahrerhaftung und im Ergebnis die Zuordnung der Bonus-/Malus-Stufe in Zukunft anders zu bewerten sein werden: Wir gehen nicht davon aus, dass sich durch das autonome Fahren etwas am grundsätzlichen Geschäftsmodell der Kfz-Versicherer ändern wird“, sagt Wenzel Staub. „Infrastruktur und Verkehrspartner der autonomen Fahrzeuge, insbesondere Radfahrer und Fußgänger, werden weitgehend unverändert bleiben: Es ist also weiterhin mit Unfällen zu rechnen, hoffentlich mit weniger und weniger schweren.“

Höhere Reparaturkosten für „Hightech-Fahrzeuge“

Auch Doris Schiebel ist überzeugt, „dass der Kunde auch in zehn Jahren eine Kfz-Haftpflichtversicherung brauchen wird. Die Grundsätze der Kfz-Versicherungspflicht werden sich vermutlich nicht ändern. Viele Punkte in den relevanten Gesetzen müssen angepasst werden, aber dass keine Versicherungspflicht mehr bestehen soll, schließen wir nach heutigem Stand der Dinge aus.“ Der Wunsch nach einer Kaskoversicherung müsste sogar steigen, da die Reparaturkosten eines „Hightech-Fahrzeuges“ in den Anfängen sehr hoch sein werden.

„Dauert viele Jahre bis Jahrzehnte“

„Grundsätzlich wird sich an der Primärverantwortung des Fahrers und des Halters eines Fahrzeugs nichts ändern“, sagt Sergius Kahr. Haftung von Lenker und Halter seien im Schadenersatzrecht bzw. im Eisenbahn- und Kraftfahrzeughaftpflichtgesetz verankert. „Das autonome Fahren ist daher – solange der Gesetzgeber nicht andere Regeln aufstellt – auf den aktuellen Rechtsgrundlagen zu beurteilen.“ Kahr geht davon aus, dass die jetzige Form des Versicherungsschutzes „noch sehr lange“ besteht. „In Österreich gibt es knapp fünf Millionen Pkw. Deren Durchschnittsalter beträgt acht Jahre. Neu zugelassen werden jährlich rund 340.000 Fahrzeuge. Es dauert daher viele Jahre bis Jahrzehnte, bis es zu einer größeren Durchmischung von nicht-autonom, teilautonom und autonom fahrenden Fahrzeugen kommt.“

Die Interviewrunde erscheint in der AssCompact März-Ausgabe.





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