AssCompact - Facebook

Österreichs Maklergesetz als Vorbild für Deutschland
12. Juni 2018

Österreichs Maklergesetz als Vorbild für Deutschland

Als „prophetisch“, zumindest aber als IDD-tauglich bezeichnete ein profunder Kenner das österreichische Maklergesetz am 9. BVBM-Makler-Symposium in München. Österreich könnte hier Vorbildwirkung haben, heißt es in einem Bericht des deutschen „Versicherungsmagazin“.


Einen Erfahrungsbericht aus erster Hand lieferte Dr. Klaus Koban, Geschäftsführer der Koban Südvers GmbH, der im Rahmen des Symposiums Einblicke in das „Erfolgsmodell“ Versicherungsmakler gab. Das österreichische Maklergesetz, das seit 22 Jahren Bestand hat, ist seiner Einschätzung nach absolut IDD-tauglich, ja sogar „prophetisch“. „Die Kodifikation der Maklerschaft durch die IDD war überfällig“, zitiert das Versicherungsmagazin Klaus Koban. Nicht zuletzt gab er auch deutschen Maklern, die sich in Österreich einen Kundenkreis erschließen wollen, einige Hinweise. So müsse neben der unterschiedlichen rechtlichen Lage vor allem das Kündigungsrecht beachtet werden, das in der jüngsten Vergangenheit „extrem ausgeweitet“ worden sei. Etwa bestünde im Schadensfall für Versicherer und Kunde die Chance, das Vertragsverhältnis zu kündigen. „Wenn dies geschieht, sind natürlich auch die Provisionsvereinbarungen obsolet“, gab Koban zu bedenken.

Erfüllungsgehilfen der Versicherer?

Kritisch sieht Koban die Entwicklung, dass Makler immer mehr in die Vermittlerrolle gedrängt würden. Dabei bestünde die Gefahr, dass die Versicherer etwa verstärkt Einsicht in die Beratungsprotokolle oder die Weiterbildungsunterlagen erlangen wollten. Am Ende wären Makler nur noch die Erfüllungsgehilfen der Versicherer.

„Dieses Modell wäre auch gut für Deutschland“

Dr. Hans-Georg Jenssen, Geschäftsführender Vorstand des BDVM und Moderator der Münchner Tagung, wünschte sich für den Maklerberuf in Deutschland eine ähnlich geschützte Situation, wie sie in Österreich dank der „Verkammerung“ bestehe. Auch zeigte er sich von der Praxistauglichkeit des österreichischen Maklergesetzes überzeugt. „Dieses Modell wäre auch gut für Deutschland“, so Jenssen.

Österreich glaube an „goldene Zukunft“ der Makler

Ralf Berndt, Vorstandsmitglied der Stuttgarter Lebensversicherung und Stuttgarter Versicherung AG, warf einen kritischen Blick nach Großbritannien, wo die Abschaffung des Provisionsmodells mehr Nach- als Vorteile gebracht habe. Laut einer Studie der britischen Regierung konnten zahlreiche Makler nach der politischen Entscheidung ihren Betrieb nicht mehr aufrechterhalten – mit der Folge, dass kompetente Beratung immer weniger werde. Außerdem sprach er das brennende Thema Maklerschwund an. Anders als in Deutschland sehe man den Umstand, dass es in Zukunft immer weniger Makler geben werde, nicht als Problem an. Im Gegenteil: Man glaube dort sogar an „eine goldene Zukunft“ des Maklerstandes.



Kommentare

von Andreas Richter am 18.06.2018 um 14:08 Uhr
Mit gutem Grund hat der deutsche Gesetzgeber das österreichische Maklergesetz nicht einfach „blind“ übernommen.
Was meinen Sie, wer hat als letzter Mitgliedsstaat die EU-VVRL 2002 umgesetzt?
Richtig, unser Nachbarland Deutschland.
Vielleicht werden Sie sich jetzt fragen, warum haben gerade unsere, als besonders sorgfältig geltenden Nachbarn, nicht, wie z.B. Österreich, die EU-Versicherungsvermittlungsrichtlinie bis 15.01.2005 umgesetzt?
Im Gegenteil: Mit der bekannt deutschen Gründlichkeit wurde ein eigenes Vermittlergesetz mit einem unaussprechlichen Namen geschrieben: „Gesetz zur Neuregelung des Versicherungsvermittlerrechts“ vom 22.05.2007. Versicherungsmakler und Versicherungsvertreter sind die beiden Vermittlergruppen. Seither sind sie in ihrem Dienstleistungs- und Haftungsspektrum klar und verständlich abgegrenzt.
„Im Gegensatz zum österreichischen Recht ist das Best-Advice-Prinzip in Deutschland nicht gesetzlich fixiert“ können Sie in der deutschen Fachliteratur dazu nachlesen.
Und weiters:
„Vor allem gilt aber zu bedenken, dass eine Ermittlung des auf dem gesamten Markt verfügbaren, absolut besten, Deckungsvorschlages unmöglich erscheint und überdies wirklichkeitsfremd ist.“
Möglicherweise tut der österreichische Gesetzgeber gut daran, bei der Umsetzung von weiteren Richtlinien udgl. einen Expertenzirkel einzuladen und sich bei der Umsetzung vor allem die notwendige Zeit zu nehmen.
Faktum ist, dass das österreichische Maklergesetz vom 1.7.1996 heute leider keine Vorbildwirkung mehr hat. Siehe oben.
Meint
Manfred Taudes, MTD, Dipl. VT



AssCompact Abonement

Sie wollen das AssComapct Magazin und/oder den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Dass sich Handwerksbetriebe zuerst am Gesetz und dann erst an Kundenwünschen orientieren sollten, dazu rät Schadenexperte Dr. Wolfgang Reisinger.