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Versicherungen 09. Januar 2012

Wird es ernst? Provisionen auf dem europäischen Prüfstand

(ac) Die Europäische Kommission arbeitet weiter auf Hochtouren an der Überarbeitung der EU-Vermittlerrichtlinie (IMD II). Mit einem Entwurf ist vermutlich im Frühjahr 2012 zu rechnen. Hält dieser eine schöne Bescherung für die Vermittler bereit? Im Fokus der Diskussion steht jedenfalls die Vergütungsform.

Vor kurzem beklagte der Präsident der europäischen Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA, Gabriel Bernardino, in seiner Eröffnungsrede des ersten Consumer Strategy Days in Frankfurt am Main am 06.12.2011, dass die Vermittlervergütungen der entscheidende Faktor für den Verkauf eines Versicherungsprodukts seien. Das auf den Versicherungssektor spezialisierte Analysehaus MEDI (Monitoring European Distribution of Insurance) sieht darin eine deutliche Kritik an Provisionen und Courtagen und hat nun in einer Kurzstudie die von der EU geplante Neuregelung zur Vergütung der Versicherungsvermittler und deren zu erwartende Konsequenzen untersucht.

Auch wenn noch nicht abzusehen ist, wie die Europäische Kommission im Bereich der Versicherungsvermittlung das Thema Vergütung anpacken wird, kommt MEDI zu der Einschätzung, dass es aber auf jeden Fall zu Änderungen kommen wird. Indiz hierfür sei unter anderem das in der Überarbeitung der MiFID angedachte Provisionsverbot für Anlageberater. So geht auch Harald Krauss, der deutsche Kopf bei MEDI und ehemalige Chef des internationalen Vermittlerverbands BiPAR, davon aus, dass langfristig alle Vermittler gleich behandelt werden und es zu einer Angleichung von MiFID und IMD kommen wird.

Nick Davenport, einer der Koautoren der aktuellen Untersuchung: „Die geplanten Neuregelungen werden europaweit zu neuen Geschäftsmodellen nicht nur für Versicherungsvermittler, sondern auch für Versicherer führen. Wird es zu einem Provisionsverbot kommen, wie es bereits heute in einigen Ländern und einigen Märkten der Fall ist, oder können mögliche Interessenkonflikte mit weniger einschneidenden Maßnahmen gelöst werden?“

Nach Ansicht der Autoren der Studie müssen im Rahmen des weiteren europäischen Gesetzgebungsverfahren verschiedene Überlegungen berücksichtigt werden. So könne es sich beispielweise kein Versicherungsvermittler auf Dauer leisten, seine Empfehlungen ausschließlich an der Provisionshöhe auszurichten. Denn wenn der Markt funktioniert, haben Kunden die effizienteste Sanktionsmöglichkeit. Man sucht sich einen anderen Berater. Zudem sei bei einem Provisionsverbot mit einem dramatischen Vermittlerrückgang zu rechnen. Hierdurch würde der Zugang der Kunden zu einer qualifizierten Beratung erheblich erschwert werden.

Des Weiteren warnen die Autoren vor einer Kostenintensivierung: „Durch die Einführung eines obligatorischen Honorarsystems werden die Dienstleistungen der Vermittler und letztlich aller Versicherungsverträge teurer werden.“ Schließlich habe das traditionelle Provisionssystem im Versicherungsbereich durchaus eine „soziale“ Komponente. Nur so könne auch finanziell schlechter gestellten Kunden eine qualifizierte Beratung zu Gute kommen.

Die abschließende Bewertung der Studienautoren klingt wie eine ernste Mahnung an Vermittler und Versicherer: „Es ist höchste Zeit, sich auf die anstehenden Veränderungen vorzubereiten. Das wird eine echte Revolution für den gesamten Versicherungssektor werden!“

(Quelle: AssCompact Deutschland)

Der vollständige Bericht „IMD2: Mehr Transparenz“ ist abrufbar unter www.medi-site.eu

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